„Ich schaue nicht jede Woche ,Tatort‘“

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Ein starkes Team: Nora Tschirner und Christian Ulmen sind am Neujahrstag in ihrem zweiten „Tatort“ aus Weimar zu sehen. Ein dritter ist schon in Vorbereitung. Foto: dpa

Interview . Nora Tschirner über ihren zweiten Fall „Der Irre Iwan“, Gruppenarbeit am Drehbuch und ihre Vorsätze fürs neue Jahr.

Das neue „Tatort“-Jahr beginnt schräg. Am Neujahrstag – seit jeher ein klassischer Termin für die Kultkrimireihe – läuft der zweite Einsatz für das Ermittlerteam aus Weimar, in dem sich Ernst und Komik mischen. Nora Tschirner und Christian Ulmen klären in „Der Irre Iwan“ (ARD, 20.15 Uhr) als Kommissare Dorn und Lessing den Tod einer Sekretärin auf, die bei einem Überfall unter kuriosen Umständen ums Leben kam. Die gebürtige Berlinerin Tschirner (33) wurde zunächst als MTV-Moderatorin bekannt, an der Seite von Til Schweiger („Keinohrhasen“) und Matthias Schweighöfer („What a Man“) wurde sie auch als Schauspielerin populär.

-Sie haben zum zweiten Mal einen „Tatort“ in Weimar gedreht. Können Sie ein paar Gedichte von Goethe oder Schiller auswendig?

Nö. Nur der arme Christian wurde am Set zum Auswendiglernen gezwungen. (Lacht.) Ich lese aber natürlich schon ab und zu mal Sachen von Goethe, bei denen ich mir denke: Also ganz doof war er ja nun nicht. Am liebsten mag ich aber das einfache Zitat: „Wie es auch sei, das Leben, es ist gut.“ Und ich war in einer zehnstündigen Inszenierung von Schillers „Wallenstein“, das war ziemlich spannend.

-Ihr erster, von der ARD offensiv beworbener „Tatort“ lief an Weihnachten vor einem Jahr. Wie haben Sie den Rummel rund um Ihren Film erlebt?

Zu wissen, dass der Film läuft und so viele vorm Fernseher sitzen und zuschauen – das fand ich schon ein bisschen überwältigend. Ich war in der Zeit offline, mein Telefon fiel auch noch aus, ich war eine Woche nicht erreichbar. Das war sehr angenehm, dass ich mich in dem Moment ausklinken konnte, in dem alles auf die Quoten schielte.

-Wundert es Sie, dass der Krimi, den immerhin acht Millionen Menschen sahen, nicht stärker polarisiert hat?

Ach, die Quoten sagen ja nichts darüber aus, wie sehr ein Film polarisiert. Spannend wird es eher jetzt beim zweiten Fall, wenn sich zeigt, ob die Leute Lust haben, uns noch einmal zu sehen. Und aussagekräftig sind natürlich auch die Abrufzahlen in der Mediathek.

-Dort wurde der Krimi rund 1,9 Millionen Mal angeschaut und hält damit den „Tatort“-Rekord…

Und gerade darüber habe ich mich sehr gefreut. Weil da wie bei einem Kinofilm viel über Mundpropaganda läuft. Damit kann ich mich am meisten identifizieren, weil ich es selber auch so halte. Ich schaue nicht einfach jede Woche „Tatort“, sondern nur das, was mir empfohlen wurde.

-Der Sonntagabend ist bei Ihnen nicht fest für den „Tatort“ reserviert?

Nein. Fernsehen spielt generell nicht eine so große Rolle in meinem Leben.

-Haben Sie überhaupt einen Fernseher?

Ich hatte die ganze Zeit so ein Riesending, das war ein Geschenk und hing ein paar Jahre als schwarzes Mahnmal an meiner Wand. Ich habe es aber jetzt abgehängt. Dann habe ich noch ein wunderschönes altes Gerät, aber das müsste dringend repariert werden. Ich schaue eher auf dem Laptop, sogar auf dem Handy. Oft schau’ ich mir im Bett auf dem Handy was an, das kann ich mir im Kopf so groß zoomen, dass ich das Gefühl habe, ich bin im Kino. Ich brauche keine große Leinwand.

-Was hat sich durch die „Tatort“-Rolle für Sie geändert?

Gar nichts. Es ist nicht so, dass ich jetzt mehr oder andere Rollenangebote bekomme oder dass Leute mich krasser erkennen. Was sich aber seit einer Weile geändert hat: Ich weiß jetzt, dass es mit dem Weimar-„Tatort“ weitergeht. Ich bin total froh, dass wir weitermachen dürfen, so lange wir Lust haben. Es ist ein total gutes Gefühl, weil unser Team ganz toll ist. Wir haben gute Autoren, gute Produzenten und eine Redaktion, die erkennt, was wir da machen und uns keine Steine in den Weg legt. Das ist selten. Alle sind sich darüber im Klaren, was das für ein Glück ist.

-Der dritte Fall ist in Vorbereitung. Wird es bei einem neuen Einsatz pro Jahr für Sie und Christian Ulmen bleiben?

Das entscheiden wir spontan. Mich würde es nicht stören, zwei „Tatort“-Krimis im Jahr zu drehen, aber es hängt ganz stark von den Autoren ab. Lieber weniger und dafür gute Filme. Die Bücher haben so eine Qualität – das schreiben die ja nicht mal eben an einem Wochenende.

-Steuern Sie und Ihr Partner bei den Dreharbeiten eigene Gags bei?

Ja, natürlich. Das ist ja eine Gruppenarbeit, und wir bringen unsere Ideen mit ein, machen also sozusagen das Feintuning. Der Wortgag mit dem „Selbstmarder“ im ersten Fall, als ein toter Marder im Motorraum unseres Dienstfahrzeugs lag, war von mir. Mit diesem Witz bin ich den ganzen Tag am Set Leuten auf den Keks gegangen, und dann ist er mit in den Film reingekommen. Vom Christian gibt es auch tausend Beispiele, aber die fallen mir jetzt ganz zufällig alle nicht ein. (Lacht.)

-Glauben Sie, dass man die komplizierte Story von „Der Irre Iwan“ auch dann versteht, wenn man noch einen Kater von der Silvesternacht hat?

Toi, toi, toi. Die Story ist schon wild, zugegeben, aber ich glaube, man kriegt noch genug mit. Und das ist doch viel besser als bloße Berieselung. Bei einem Krimi, den man selber gedreht hat, ist es natürlich schwer, das zu beurteilen, weil man ja weiß, wie er ausgeht. Christian und ich fragen deshalb alle Journalisten nach ihrer Meinung, aber die meisten sagen: „Es ist kompliziert, aber man kann noch gut folgen.“

-Haben Sie Vorsätze fürs neue Jahr?

Ich hatte noch nie in meinem Leben Vorsätze, das ist etwas, das für mich gar nicht funktioniert. Mir etwas vorzunehmen und das ab 1. Januar einzuhalten – nein, danke! Ich will doch nicht das neue Jahr gleich mit einem Aufgabenkatalog beschmutzen, ich bin doch nicht doof. Im besten Fall habe ich im alten Jahr sogar noch alles vom Tisch gekriegt, so dass ich überhaupt keine Aufgabe mehr habe.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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