„Ich musste überlegen, wen ich gerade spiele“

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Wenn der Part des Ehemanns und Vaters doppelt besetzt ist: Christoph Maria Herbst als biederer Familienvater Matthias (li.), der eines Tages erfährt, dass er einen Zwillingsbruder names Tom hat. Foto: ARD

Er spielte in Kinokomödien („Der Wixxer“) und in Sketchreihen („Ladykracher“), doch zur Paraderolle wurde für Christoph Maria Herbst die Titelrolle in der Serie „Stromberg“. Insgesamt 46 Folgen liefen zwischen 2004 und 2012 bei Pro Sieben, im vergangenen Jahr kam „Stromberg“ sogar ins Kino. Heute (20.15 Uhr) ist Herbst in Isabel Kleefelds ARD-Fernsehfilm „Besser als Du“ zu sehen, wo er eine Doppelrolle spielt – als eineiiger Zwilling. Wir sprachen darüber mit dem 49-Jährigen.

-Hätten Sie gerne einen Zwillingsbruder?

Die Frage reiche ich gleich weiter. Meine Eltern haben sich gefreut, dass sie nur einen wie mich ertragen mussten. Ich kann mich an eine Tante erinnern, die sagte: „Für den hättet ihr auch noch zwei Töchter haben können!“ Da war ich fünf Jahre alt. Ein Trauma habe ich dadurch nicht erlitten, denn als ich davon hörte, war ich bereits 18. Das umreißt vielleicht so ein bisschen, was für ein Tunichtgut ich wohl gewesen sein muss!

-Aber gewisse Vorteile hätte so ein Zwillingsbruder doch, oder?

Ja, sicher – zumal wenn es, so wie hier, ein eineiiger Zwilling ist. Der eine könnte für den anderen die verhasste Mathearbeit schreiben oder die ungeliebte Erbtante mit dem Mundgeruch besuchen. Ich mag ja der besagte Tunichtgut gewesen sein, aber eine derartige fast schon kriminelle Energie hätte dann wohl doch nicht in mir gewohnt.

-Was überraschend ist – niemand aus der Familie im Film bemerkt etwas von der Vertauschung.

Das stimmt. Aber das ist natürlich eine Verabredung, mit der der Zuschauer einfach leben muss. Warum merkt die Gattin nichts, warum merken die Kinder nichts? Sie akzeptieren recht schnell, dass der Mann beziehungsweise der Papa offenbar versucht, sich charakterlich etwas zu verändern. Und das quasi über Nacht. Vielleicht wollte die Familie das aber auch glauben. Hauptsache, der Mann verändert sich.

-So eine Zwillingsrolle ist doch sicher eine hübsche Herausforderung...

Na klar. Bei den beiden Brüdern gibt es rein äußerlich ja keine Unterscheidungsmerkmale. Die schauspielerische Herausforderung für mich bestand darin, alle zwei mit einem feineren Pinselstrich zu zeichnen. Die beiden mussten einfach genau gleich aussehen. Auf einmal trägt Matthias ja die Jacke von Tom, auch die Brille passt perfekt. Ich musste zwischendurch selber überlegen, wen von den beiden ich gerade spiele – Matthias in der Tom-Klamotte, oder umgekehrt?!

-Warum sieht man Sie eigentlich nicht öfter bei ARD oder ZDF?

Keine Ahnung, da müssten sie die beiden genannten Sender fragen. Auf diesem sicher schwierigen Sendeplatz am Freitagabend ändert sich bei der ARD ja gerade vieles. Und für Schmalztopf stand ich nie zur Verfügung, dann schon eher für Fettnäpfchen. Aber eine allzu radikale Verjüngung ist nicht zu befürchten, immerhin bin ich fast 50. Dennoch zeigt man mit meiner Besetzung da schon eine ganz neue Visitenkarte. Vielleicht dachten manche bislang, der Herr Herbst sei ja ohnehin fest bei Pro Sieben engagiert. Das ist natürlich Quatsch, denn ich bin weder Moderator noch hauptberuflicher „Stromberg“-Darsteller, sondern freier Schauspieler. Ich bin gespannt, welche Aufgaben für mich dort noch warten. Kommissare, Täter, Väter, Geschäftsmänner, Heteros, Schwule. Alles ist möglich!

Das Gespräch führte Klaus Braeuer.

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