„Ich mag meine Rolle sehr“

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„Sarah Brandt ist keine Assistentin“: Sibel Kekilli sieht ihre Figur im Kieler „Tatort“ auf Augenhöhe mit der von Klaus Borowski, gespielt von Axel Milberg. Foto: ARD

Interview . Schauspielerin Sibel Kekilli über Crystal Meth, den „Tatort“ und Kommentare in sozialen Medien.

Zum Schauspielberuf kam Sibel Kekilli durch Zufall. Die in Heilbronn geborene Tochter türkischer Einwanderer arbeitete nach der Schule mehrere Jahre lang bei der Stadtverwaltung ihrer Heimatstadt, bevor sie – nach diversen Jobs – für den Film entdeckt wurde. Ihr Debüt als rebellische Türkin in Fatih Akins Filmdrama „Gegen die Wand“ machte Kekilli im Jahr 2004 einem großen Publikum bekannt. Seitdem spielte sie in einigen preisgekrönten Filmproduktionen mit, unter anderen „Der letzte Zug“ und „Die Fremde“. Seit 2010 ist die 34-Jährige in den Kieler „Tatort“-Folgen als Sarah Brandt an der Seite von Axel Milberg als Kommissar Klaus Borowski zu sehen. In „Borowski und der Himmel über Kiel“ (ARD, Sonntag, um 20.15 Uhr), geht es um die Modedroge Methamphetamin, genannt Crystal Meth. In einem Bach wird der Kopf eines jungen Mannes entdeckt, die Suche nach seinem Mörder führt Brandt und Borowski in ein Dorf, in dem die halbe Bevölkerung abhängig zu sein scheint. Sibel Kekilli lebt in Hamburg, sie engagiert sich unter anderem gegen Gewalt an Frauen in islamischen Ländern.

-Im neuen Kieler „Tatort“ geht es um Crystal Meth, die Droge, die viele Zuschauer aus der populären amerikanischen Serie „Breaking Bad“ kennen. Wie groß ist Ihres Wissens das Problem in Deutschland?

Ich habe diverse Berichte über Crystal Meth gelesen, aus denen hervorging, dass diese Droge einen auch äußerlich negativ verändert, und dass sie in allen sozialen Schichten zu finden ist.

-Im Krimi wird aber nicht nur das Abschreckende gezeigt, sondern auch das Hochgefühl, das Süchtige nach dem Drogenkonsum empfinden. Finden Sie das okay?

Ich finde es gut, dass wir als „Tatort“-Team nicht oberlehrerhaft den Finger heben, sondern vom Rausch bis zur Zerstörung alles zeigen.

-Sie spielen Sarah Brandt seit bald fünf Jahren, 2010 war Ihr erster Auftritt an der Seite von Axel Milberg als Klaus Borowski...

Ja, aber das war nach meiner Rechnung nur ein halber „Tatort“ (Lacht.) Es war schließlich nur ein Gastauftritt, um zu schauen, wie wir miteinander harmonieren. So richtig wurde die Rolle erst ein Jahr später eingeführt.

-Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung der Figur?

Ich mag meine Rolle sehr. Ich mag an Sarah Brandt, dass sie oft impulsiv und manchmal schneller handelt als denkt. Somit ist sie ein guter Gegenpart zum reflektierten Borowski. Sie ist echt und versteckt ihre Emotionen nicht. Aber natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich bin immer hundertprozentig zufrieden mit meiner Rolle. Denn das würde für mich ja auch bedeuten, dass ich dann stehen bleibe. Wir arbeiten immer an einer Weiterentwicklung.

-Was schwebt Ihnen vor für die Zukunft der Figur?

Dazu kann und möchte ich noch nicht so viel sagen, aber die Entwicklung, wie zum Beispiel jetzt im aktuellen „Tatort“, ist sehr gut. Sarah Brandt wird erwachsener, eigenständiger. Das Zusammenspiel mit Borowski und die Entwicklung meiner Figur werden immer wieder neu und von Fall zu Fall besprochen.

-Ärgert es Sie, wenn Sarah Brandt manchmal als Assistentin Borowskis bezeichnet wird?

Ärgern ist vielleicht das falsche Wort, aber ich finde es ein bisschen ignorant. Natürlich ist Borowski der Chef, und die Filme heißen ja auch immer „Borowski und…“ – aber Sarah Brandt ist keine Assistentin, sondern ermittelt auf Augenhöhe mit ihm. Am Anfang war sie Anwärterin, jetzt ist sie Hauptkommissarin. Aber ich habe auch keine Lust, das immer wieder richtigzustellen – bei vielen Leuten steckt das eben einfach im Kopf. Genauso wie es immer wieder heißt: „Die türkische Schauspielerin Sibel Kekilli“, obwohl ich ja Deutsche bin.

-Einige Kritiker haben geschrieben, der „Tatort“ habe Ihnen aus der Schublade der „Migrantin vom Dienst“ herausgeholfen, die Ihnen seit Ihrer Rolle im Kinodrama „Gegen die Wand“ anhaftete. Sehen Sie das auch so?

Ich habe nie gesagt, dass ich nie wieder eine Türkin spielen möchte. Den Rollen in „Die Fremde“ und „Gegen die Wand“ habe ich viel zu verdanken, und ich habe nichts gegen türkische Rollen. Ich möchte nur nicht in eine Schublade gesteckt werden, das war mein Ziel. Und ich glaube, das habe ich mit Ausdauer geschafft.

-Wie lange bleiben Sie dem „Tatort“ noch erhalten? Immerhin haben Sie mit Ihrer Rolle in der zurzeit wohl angesagtesten Serie der Welt, „Game of Thrones“, international für Aufsehen gesorgt…

Im Moment lebe ich im Hier und Jetzt und spiele gerne die Rolle der Sarah Brandt.

-Rennt Ihnen Hollywood seit „Game of Thrones“ die Türen ein?

Wegen „Game of Thrones“ bekomme ich wirklich mehr Castingangebote, auf jeden Fall. Aber ich weiß auch, dass nicht nur ich die bekomme, sondern dass wahrscheinlich weltweit gecastet wird.

-Sitzen Sie eigentlich wie viele Millionen andere abends vor dem Fernseher und schauen „Tatort“?

Nein, dazu fehlt mir leider oft die Zeit.

-Es ist ja mittlerweile ein Volkssport geworden, den „Tatort“ während der Ausstrahlung in den sozialen Medien zu kommentieren, und dabei geht es oft nicht zimperlich zu…

Da ich im Internet nicht besonders oder gar nicht aktiv bin, erreicht mich so etwas zum Glück nicht. Da sich viele Menschen im Schutz der Anonymität sicher fühlen und teilweise richtig böse und gemein werden, will ich mir das auch weiterhin ersparen.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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