„Ich liebe Kinder über alles“

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Neue Aufgabe: Hans Scholz (Herbert Knaup) findet im Müllcontainer einen Säugling, bringt ihn aber nicht zur Polizei, sondern nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Foto: ARD

Interview . Herbert Knaup über seine Rolle als verwahrloster Kauz, Drehs mit Säuglingen und den Existenzkampf der Schauspieler.

Er überzeugt als kauziger Kommissar Kluftinger ebenso wie als Nazi vor Gericht im Dokudrama „Eichmanns Ende“. In der Tragikomödie „Glückskind“ nach dem gleichnamigen Roman von Steven Uhly, zu sehen heute um 20.15 Uhr im Ersten, verkörpert Knaup jetzt den heruntergekommenen, verbitterten Hans Scholz, der seit Jahren von Sozialhilfe lebt. Als er eines Tages ein Baby in einem Müllcontainer findet, bringt er es nicht etwa zur Polizei, sondern nimmt das Kind bei sich auf. Die Verantwortung für das Mädchen gibt ihm einen neuen Lebensinhalt. Herbert Knaup kam 1956 in Sonthofen im Allgäu zur Welt. Zu Beginn seiner Karriere war der Absolvent der Münchner Falckenbergschule als Theaterschauspieler gefragt, doch auch im Kino feierte er mit Rollen in Filmen wie „Schlafes Bruder“ oder „Lola rennt“ bald Erfolge. Demnächst spielt er die Hauptrolle in der ARD-Anwaltsserie „Die Kanzlei“, dem Nachfolgeformat von „Der Dicke“ mit Dieter Pfaff.

-In „Glückskind“ spielen Sie einen Mann, der buchstäblich im Dreck lebt. Gab es Vorbilder für die Rolle?

Ich hatte schon ein paar Bilder im Kopf, solche Leute begegnen einem ja öfter mal im Straßenbild. Menschen, die im Leben einen Schicksalsschlag erlitten haben und nicht mehr in der Lage sind, einem geregelten Alltag nachzugehen. Der Mann, den ich da spiele, hat sich ja komplett aufgegeben.

-Wie waren die Dreharbeiten mit einem Säugling?

Da ich ja selber Vater bin, habe ich einen Bezug zum Wickeln und all diesen Tätigkeiten. Ich liebe Kinder über alles und hatte einen ziemlichen Draht zu den beiden Mädchen. Es waren nämlich Zwillinge, die sich abgewechselt haben, weil man so ein kleines Wesen ja nicht mit zu viel Arbeitszeit belasten will. Das eine war immer etwas knatschiger, das andere immer gut drauf, was ein Problem war – es sollte für die Rolle eigentlich gar nicht gut drauf sein. Einmal mussten wir das Kind leider zum Weinen bringen. Es wurde nicht gleich gestillt und so weinte es – das hat uns allen das Herz zerrissen. Die Mutter war natürlich immer im Hintergrund, die hat mir zum Glück vertraut.

-„Glückskind“ transportiert ja ein soziales Anliegen – der Film ist ein Plädoyer für ein menschlicheres Miteinander…

Ich habe mich unglaublich gefreut, dass Regisseur Michael Verhoeven mit der Rolle auf mich zukam. Zuerst war ich verwundert, dass er mir einen Penner anbietet, normalerweise spiele ich ja mit Ausnahme des Allgäuer Kommissars Kluftinger eher Anwälte, Managertypen oder gewandte Politiker. Aber dann habe ich mich über die Herausforderung gefreut, mich in diese gestrandete Existenz zu verwandeln. Und dann kam noch dieser märchenhafte Moment dazu, dieser Gedanke: Wäre es nicht toll, wenn jeder Gestrandete eine zweite Chance bekäme? Im Film wird diese Hoffnung, dass man auch nach einem Schicksalsschlag noch mal die Kurve kriegt, erfüllt. In der Realität sieht das leider oft anders aus.

-Engagieren Sie sich eigentlich nach wie vor im Bundesverband Schauspiel, der sich unter anderem für Darsteller stark macht, die nicht so gut gebucht sind wie Sie?

Ich bin zwar nicht mehr im Vorstand, aber ich bin noch Mitglied. Der Verein kämpft dafür, dass Schauspieler ein Arbeitslosengeld bekommen. Man ist als Film- und Fernsehschauspieler ja immer davon abhängig, wie die letzten beiden Filme gelaufen sind – das entscheidet, ob man wieder besetzt wird. Das ist ein großer Kampf.

-Sie selbst sind doch fein raus. Sie drehen einen Film nach dem anderen und sind mit der Rolle als Allgäuer Kommissar Kluftinger ja sogar Reihenschauspieler…

Naja, es ist ja eine sehr lose Reihe. Im Jahr 2008 ging es los, bis jetzt waren es drei Filme. Jetzt sind zwar zwei neue Filme in Vorbereitung. Aber wenn Sie „Tatort“-Kommissar werden, haben Sie in diesem Zeitraum schon mindestens zwölf Filme gedreht.

-Dann werden Sie doch „Tatort“-Kommissar!

Das geht ja nicht, weil ich den Kluftinger spiele. Es gab zwar mal die Idee, dass die Reihe als „Tatort“ laufen könnte, aber das macht keinen Sinn. Schließlich basieren die Krimis auf Romanen, und wer das Buch kennt, weiß, wer der Mörder ist. Das geht im „Tatort“ nicht.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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