MIT BLICK AUF DIE ZUSCHAUER HAT „TATORT“-REGISSEUR ZOLTAN SPIRANDELLI DIE FIGUR DES SAARBRÜCKER KOMMISSARS JENS STELLBRINK „NACHJUSTIERT“

Hoffnung auf eine „späte Liebe“

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Von Katja Sponholz. Was die Saarländer von „ihrem“ Kommissar halten, erfährt Zoltan Spirandelli meist kurz nach seiner Ankunft, wenn er mit dem Taxifahrer ins Gespräch kommt und erzählt, dass er der „Tatort“-Regisseur sei.

„Dann gibt es manche, die richtig vom Leder ziehen und dem alten Palu nachtrauern“, gibt Spirandelli zu. Und doch ist der 59-Jährige zuversichtlich, dass die Saarbrücker nach vier Jahren ihren Frieden mit ihrem „neuen“ Ermittler aus dem Norden (Darsteller Devid Striesow stammt von der Insel Rügen) gemacht haben. „Das ist so langsam im Umbruch begriffen“, sagt Spirandelli. Beide haben Zeit gehabt, anzukommen und sich aneinander zu gewöhnen - und jetzt bewegen sie sich in kleinen Schritten aufeinander zu.“

Am Anfang erschien Kommissar Jens Stellbrink, der seit 2013 in Saarbrücken im Einsatz ist, vielen zu extrem. „Ich habe versucht, nachzujustieren“, sagt Spirandelli. Nicht nur, was die Kleidung betrifft. In Gummistiefeln und gelbem „Friesennerz“ stapft der Kommissar jedenfalls nicht mehr durchs Saarland. Am Sonntag (20.15 Uhr) ermittelt er im Ersten im neuen Fall „Söhne und Väter“. Darin geht es um den mysteriösen Tod eines jungen Mannes im Kühlhaus eines Bestattungsunternehmens.

Spirandelli hat den Chefermittler „etwas seriöser“ gemacht und gleichzeitig versucht, seine Besonderheit zu bewahren. „Er ist ein extrem empathischer, lebendiger und auch unorthodoxer Mensch und Kommissar. Das wollten wir erhalten, ihn aber gleichzeitig so professionell auftreten lassen, dass die Akzeptanz vorhanden ist.“ Und noch etwas stimmt ihn zuversichtlich, dass der Saarbrücker Kommissar langfristig neue Freunde finden wird und es doch noch – wenn schon nicht zur großen – wenigstens zu einer „späten Liebe“ kommt: „Devid Striesow ist einfach ein ganz toller Schauspieler, der zu Herzen geht und den man mag.“

Auch zwischen Saarbrücken und dem Regisseur, der in Berlin lebt, hat sich eine Beziehung entwickelt: „Jedes Jahr verbringe ich ziemlich viel Zeit in Saarbrücken und fange an, mich zuhause zu fühlen“, sagt Spirandelli. Und im Gegensatz zu Berlin, wo ständig neue Filme entstünden, habe die saarländische Hauptstadt noch einen anderen Vorteil: „Es ist toll, in einer Stadt zu drehen, wo nicht so unendlich viel gedreht wird und wo die Leute nicht genervt sind, weil wieder eine Straße für die Dreharbeiten gesperrt werden muss.“

Dass es authentisch zugeht in seinem „Tatort“, ist dem Regisseur wichtig. „Wenn man fernsieht, hat man das Gefühl, alle leben in einer Gesellschaft, wo rund um die Uhr die schrecklichsten, ausgeklügeltsten und verrücktesten Morde entstehen.“ Tatsächlich jedoch seien 95 Prozent der Gewaltverbrechen Beziehungstaten. „Das entspricht viel mehr unserer Realität, als die an den Haaren herbeigezogenen Filmgeschichten“, sagt Spirandelli: „Davon wollte ich weg.“

Und noch etwas habe ihn zu dem neuesten Fall „Söhne und Väter“ animiert: „Mich hat es gereizt, mir ein Thema zur Brust zu nehmen, das vielleicht vom Zeitgeist nicht so naheliegend ist wie Asyl oder Flucht, das aber eine der elementarsten Beziehungen ist, die es gibt.“ Er jedenfalls kenne keinen einzigen, der nicht in irgendeiner Weise ein Paket mit sich herumschleppt, das mit der Eltern-Kind-Beziehung zu tun hat.

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