VORSCHAU AUF DAS SCHLAGER-MUSICAL „WAHNSINN!“, DAS AB 16. MAI IM DEUTSCHEN THEATER MÜNCHEN ZU GAST IST

„Hölle, Hölle, Hölle“

Von Katja Kraft. Das Irre ist ja, dass man fast jedes Lied mitsingen kann.

„Und noch irrer ist, dass es im Publikum auch alle tun“, sagt Jessica Kessler und grinst. Es ist ein kalter Wintertag im Februar, gerade sind die ersten Vorstellungen von „Wahnsinn!“, dem Musical mit Hits von Wolfgang Petry (Foto: Agentur), über die Bühne des Duisburger Theaters am Marientor gegangen. Kessler spielt darin Gabi, eine sympathisch unverstellte Ruhrpottlerin, die nicht nur dem Vornamen nach an Komikerin Gaby Köster erinnert. Die Show präsentiert die größten Hits von „Wolle“ Petry, der mit mehr als 20 Millionen verkauften Alben einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersänger ist. Und das merkt man an den Reaktionen der bisherigen Zuschauer der Show, die ab 16. Mai nach München kommt.

„Nach der Premiere in Duisburg ist mir erst bewusst geworden, dass wir da ein neues Format geschaffen haben“, sagt Creative Producer und Autor Martin Lingnau. „Im Grunde ist es eine Riesen-Schlagerparty. Wir waren total überrascht, dass das Publikum nach einem Ton mitsingt. Und jeden Text draufhat! Da war mir erst klar, welches Erbe wir angetreten haben. Wobei mich Petry vorher schon gewarnt hatte: ,Du darfst meine Leute aber nicht enttäuschen‘“, erinnert sich Lingnau lächelnd. Als er all die Petry-Fans mittanzen und -singen sah, wusste er, wie viel Liebe die Menschen mit den Liedern verbinden.

Neben Lingnau und Kessler sitzen die anderen Hauptdarsteller der Show. Sie spielen vier Paare, die über zwei Stunden die ganze Palette menschlicher Gefühle erleben. Von der „Hölle, Hölle, Hölle“ bis „Geil, geil, geil“. Enrico De Pieri, der Petrys Alter Ego Peter spielt, schwärmt: „Wie das Publikum abgeht und ausrastet – da waren wir bei der ersten Vorstellung alle ganz schön von den Socken. Da hatten wir so nicht mit gerechnet.“

Nun liegt Duisburg mitten im Ruhrgebiet. Und wie schon das Musical-Plakat verrät, ist das genau das Terrain von Wolfgang Petry. Auf dem Bild sieht man ihn im Holzfällerhemd mit obligatorischen Freundschaftsbändchen am Arm und Zottelmähne auf dem Kopf vor einem Förderturm. Lässt sich die Begeisterung für dieses sehr den Ruhrgebiets-Charme atmende Party-Schlager-Musical problemlos nach München verlegen? Kessler überlegt nicht lange. „Ja!“, sagt sie – und erzählt von mehreren Duisburger Zuschauern, die schon angekündigt hätten, der Produktion in die bayerische Landeshauptstadt nachzureisen, um auch hier für Stimmung zu sorgen.

Und die Münchner selbst? Da ist Autor Lingnau optimistisch. Weil Petry-Hits von „Verlieben verloren vergessen verzeihn“ über „Der Himmel brennt“ bis zum Evergreen „Wahnsinn“ eine besondere Qualität hätten, die nicht nur, wer zwischen Zeche Zollverein und Currywurst sozialisiert wurde, erkennt: „Die sind so erdig, die hauen so rein, die gehen zu Herzen. Man merkt, dass die ehrlich gemeint sind.“ Insgesamt 36 Lieder hat Lingnau in die Show aufgenommen. Und tatsächlich ist man als in der Schlagerwelt nicht überdurchschnittlich bewanderter Zuschauer überrascht, wie gut man sie alle kennt. Das Musical wird hauptsächlich über die Liedtexte erzählt, sie bilden das Gerüst der Handlung. Lingnau hat sich bemüht, so wenig wie möglich an den Originalzeilen zu verändern, hat stattdessen immer die Geschichte an den Liedern entlanggehangelt, „sodass man glauben kann, die Songs seien für das Musical geschrieben worden“. Muss man also ein großer Petry-Fan sein, um „Wahnsinn!“ genießen zu können? Nein, da sind sich Sänger und Autor einig, muss man nicht. Lingnau: „Wenn man große Musical-Balladen mag oder große Musical-Ensemble-Songs, dann ist man bei uns genau richtig.“ Und ein bisschen Lust am Wahnsinn kann sicher auch nicht schaden.

Die Vorstellungen

laufen vom 16. Mai bis zum 3. Juni im Deutschen Theater München an der Schwanthalerstraße 13; Karten: 089/ 55 234 444.

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