RUDOLF SCHENKER, GRÜNDER, GITARRIST UND KOMPONIST DER SCORPIONS, FEIERT SEINEN 70.

Er hetzt von Erfolg zu Erfolg

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Rudolf Schenker schreibt auch Bücher. Jörg Carstensen/ dpa

Von Zoran Gojic. Wenn man rund 100 Millionen Tonträger abgesetzt hat, seit einem halben Jahrhundert eine Band zusammenhält und auf allen Kontinenten in voll besetzten Stadien auftritt – dann muss man sich nicht rechtfertigen.

Für gar nichts. So einfach ist das bei Rudolf Schenker, dem Gründer, Gitarristen und Komponisten der Scorpions, der seit Jahrzehnten rastlos von Erfolg zu Erfolg hetzt und milde über vernichtende Kritiken lächeln kann. Die Scorpions sind, das mag die Musikpolizei hierzulande verstehen oder nicht, erwiesenermaßen die erfolgreichste Band Deutschlands. In den USA, Südamerika, Russland, Japan und auch sonst so ziemlich überall auf diesem Planeten jubeln die Menschen den Hardrockern aus Niedersachsen selig zu – und alles andere ist Rudolf Schenker herzlich egal.

Konsequenterweise steht er heute, am Tag seines 70. Geburtstages, auf der Bühne, bei Lake Tahoe, dem Auftakt einer Konzertreise durch Amerika. Was durchaus lustig ist, weil Schenker die Scorpions ja schon 2010 auf Abschiedstour geschickt hat. Aber vom Rücktritt ist man zurückgetreten. Schenker, gelernter Starkstromelektriker, ließ mitteilen, er stehe noch zu sehr im Saft, um aufzuhören. Man muss ihm abnehmen, dass Rockmusik seine Triebfeder im Leben ist, ohne die er verloren wäre.

Schon als Teenager gründet er seine erste eigene Band, und zwar erklärtermaßen mit dem Ziel, Erfolg zu haben. „Eine der erfolgreichsten 30 Bands der Welt“ wolle man werden. Er geht das akribisch an, kümmert sich als passionierter Fotograf auch um das Image und die Vermarktung. Der bessere Gitarrist ist sein jüngerer Bruder Michael, aber die eingängigeren Songs schreibt Rudolf, und den größeren Ehrgeiz hat er auch – deswegen wechseln die beiden heute wohl kein Wort mehr. Schenker verfolgt sein Ziel und holt sich 1969 mit Klaus Meine einen Bruder im Geiste in die Band, der leibliche Verwandte verlässt dafür bald die Scorpions.

Mit Klaus Meine verbindet Rudolf Schenker tatsächlich eine echte Freundschaft, was außerordentlich rar ist im Musikgeschäft. Als die ersten Platten und Tourneen noch nicht so gut laufen, teilt man sich aus Kostengründen ein Doppelzimmer im Hotel. Später, als Meine nach dem internationalen Durchbruch bei den Aufnahmen für das Album „Blackout“ (1982) seine Stimme verliert und langwierige Behandlungen durchlaufen muss, hält ihm Schenker die Treue, obwohl die Plattenfirma drängelt und die Konzertveranstalter lukrative Auftritte anbieten. Scorpions gibt es nur mit Schenker und Meine, so ist das bis heute. Und obwohl es manchmal Exzesse gab mit aus Hotelzimmerfenstern fliegenden Fernsehern (angeblich war das immer der Drummer) und berüchtigten Mischgetränken aus Bourbon, Rotwein und Bier, waren beide privat immer bewusst Anti-Rockstars.

Schenker lebt bis heute in der Nähe Hannovers, betreibt Yoga und Meditation, seit er 18 ist, und hat statt simpler Rock-Autobiografien eher so eine Art Lebensratgeber geschrieben, für die prompt Esoterik-Guru Paulo Coelho das Vorwort beisteuerte. Auch äußerlich verströmte Schenker mit prolliger Vokuhila-Matte und Schnauzer in engen Jeans eher weniger Glamour. Erst seit er im Ruhestandsalter ist, macht er mit kurzen, blondierten Haaren und XXL-Sonnenbrillen auf Rock-Macker. Schenker, der sich ein Leben lang intensiv mit Religion beschäftigt hat, darf man sich als glücklichen Menschen vorstellen. Vielleicht auch, weil er nichts mit dem ebenso bekannten wie verhassten „Wind of Change“ zu tun hat. Den Dauerbrenner des Formatradios hat Kumpel Klaus Meine auf dem Gewissen.

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