DER NEUE LEITER ALEXANDER LIEBREICH ERÖFFNETE DAS STRAUSS-FESTIVAL IN GARMISCH-PARTENKIRCHEN

Herzrhythmusmusik

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Sie benötigen für „Dido and Aeneas“ keine große Ausstattung (v. li.): Barbara Schmidt-Gaden, Katharina Magiera, Marie-Claude Chappuis und Anna Voshege. Foto: Thomas Sehr

von dorothe gschnaidner. Es sind die Sagen über den Gestaltwandel von Flora, Fauna und Mensch, die „Metamorphosen“ von Ovid, die seit 2000 Jahren Kunst und Musik inspirieren.

Für das zerbombte München, sein „bayerisches Pompeji“, schrieb Richard Strauss ein tief berührendes Spätwerk, seine „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher. Für das Eröffnungskonzert des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen wählte der neue Intendant Alexander Liebreich nicht nur dieses Werk, er stellte das ganze Festival unter dieses Motto.

Die Akademie für Alte Musik Berlin musiziert beim Start in der Alpspitzhalle im Stehen, mit dem Dirigenten auf Augenhöhe, auch im übertragenen Sinne. Wie ein sattes Raunen greift der extrem balancierte Klang im spröden Eissportzentrum. Es ist mehr ein sanftes Schwingen denn Dirigieren, mit dem Liebreich nach dem Kern der Musik tastet. Alles fließt mit weicher Wärme, wird zur Herzrhythmusmusik. Mit delikater Transparenz und weit ausgebreitetem Gestus lässt Liebreich keinen Zweifel an seiner Vorstellungswelt, die sich das Ensemble sensibel zu eigen macht.

Mit Esprit schließt der Opern-Dreiakter „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell an. Minimalistisch sind die Mittel in der szenischen Einrichtung von Ingo Kerkhof: Die Protagonistinnen erscheinen in viktorianisch anmutenden Gewändern, Aeneas trägt Jackett, ein schlichter Schnürvorhang hängt hinter dem Streichorchester, das vom kommentierenden, hervorragend präsenten Chor des Bayerischen Rundfunks umrahmt wird. Dazu gibt es eine zurückhaltende Lichtregie, über einen Mittelsteg gelangen die Akteure zur Spielplattform vor dem Dirigenten.

Für eine knappe Stunde liegt Karthago in Garmisch-Partenkirchen. Am Ende des Trojanischen Krieges verliebt sich Aeneas, stimmlich überzeugend besetzt mit Bariton Matthias Winckhler, für die Dauer einer Jagdpartie in die Königin Dido. Gewiss durch Shakespeare animiert, mischt Purcell jedoch mithilfe einer Zauberin und zweier Hexen die Karten des Schicksals für das Paar neu.

Die Szene mitreißend dominierend, kühn, verführerisch, gesanglich wie darstellerisch überragend präsentiert sich Altistin Katharina Magiera aus dem Solistenensemble der Frankfurter Oper als Zauberin. Ein Rezitativ lang streiten sich Aeneas und Dido bis aufs Blut. Der Sohn der Aphrodite verlässt die Königin, um, wie prophezeit, ein neues Weltreich zu gründen. Dido, vom warmen Mezzo Marie-Claude Chappuis in weiten Teilen stilsicher gestaltet, wird von ihrem Kummer dahingerafft. Hier ist die Akademie für Alte Musik ganz in ihrem Element, tänzerisch vibrierend wird das Geschehen beleuchtet. Die Mischung aus Possenspiel, Slapstick und finalem Dramolett der nachgerade spielwütigen Solisten, das subtil angepasst befeuernde Dirigat Liebreichs, der stimmige Chorklang und das glänzend disponierte Orchester ernten jubelnden Beifall.

Weitere Informationen

gibt es unter www.richard-strauss-festival.de.

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