Herz, Beine, Leber

Wanda, Münchner Zenith.

Schneller, höher, Wanda! Vor nicht einmal zwei Jahren spielte die rauschige Kapelle aus Wien noch im Münchner Backstage, dem gemütlichen Musik-Wohnzimmer an der Donnersbergerbrücke. Danach ging’s im Schweinsgalopp von der Muffathalle übers Tollwood bis ins ausverkaufte Zenith. In der berüchtigten Riesenhalle musste Wanda jetzt den Frische-Check bestehen. Macht’s immer noch Spaß, sich für die „Tante Ceccarelli“ aus Bologna die Seele aus dem Leib zu singen? Rennt der Schmäh noch bei Wanda wie in der guten alten Zeit, also 2016?

Antwort: Eine gewisse Routine hat sich eingeschlichen. Aber das Mitgrölen ist cool wie eh und je. Wer danach nicht heiser ist, der war nicht da. Sänger Marco Wanda verspricht eine „elektrisierende Show“. Die Fans wissen längst, dass er tags zuvor das Konzert in Mannheim nach einem Stromschlag abbrechen musste. Draußen in Freimann geht alles gut, auch wenn Marco einen „Hirnschaden“ für sich reklamiert. Aber samma ehrlich: Das Hirn ist das Organ, auf das es bei einem Wanda-Konzert am allerwenigsten ankommt. Hier sind gefragt: das Herz für Amore, die Beine zum Hüpfen – und die Leber für den Schnaps, das viel besungene Lebenselixier der fünf Wiener.

In München beweist das hipsterlastige Publikum, dass es unmöglich ist, Zeilen wie „Enchanté, es tut weh!“ nicht ohrenbetäubend laut mitzusingen und dabei eine Riesengaudi zu haben. Nach nur zwei Alben (neue Songs spielen sie keine) legen Wanda eine famose Greatest-Hits-Show hin. Ein bisserl Wehmut bleibt: Denn natürlich haben Wanda den Exzess längst perfektioniert, natürlich weiß Marco genau, wann er sich auf den Boden werfen oder einen Schnaps von den Fans besorgen muss. Und natürlich spielen Wanda bald in der Olympiahalle und nie mehr im Wohnzimmer. Bologna bleibt trotzdem immer eine Reise wert. jörg heinrich

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