JOHANNES B. KERNER ERINNERT AN DIETER THOMAS HECK, DER AM VERGANGENEN DONNERSTAG IM ALTER VON 80 JAHREN STARB

„Er war ein Held meiner Kindheit“

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Meine erste Begegnung mit Dieter Thomas Heck hatte nichts mit Fernsehen oder der großen Showtreppe zu tun.

Bei einem Fußballspiel haben wir uns kennengelernt. Ende der Achtziger- oder Anfang der Neunzigerjahre muss das gewesen sein, Hertha BSC spielte in der Amateur-Oberliga in Berlin vor etwa 30 000 Leuten, und wir waren zwei davon. Dieter Thomas Heck war nämlich nicht nur ein großer Fernseh-Moderator, sondern eben auch Fußballfan, was uns verband.

Ich kannte ihn damals natürlich besser als er mich. Heck war ein Held meiner Kindheit. Wenn er die „Hitparade“ moderierte, saß ich mit Kassettenrekorder und Raum-Mikro vor dem Fernseher, habe die Lieder aufgenommen und aufgepasst, dass keiner durchs Wohnzimmer marschiert und stört. Die Sendung war einfach Kult. Und Dieter Thomas Heck gehörte zu diesem Kult dazu.

Was mich an ihm beeindruckt hat: die große Sicherheit, mit der er moderierte. Er selbst hat mal erzählt, dass er immer besonders aufgeregt gewesen sei vor Sendungen. Als Zuschauer hat man davon nichts gespürt. Vor der Kamera stand er mit einer Selbstverständlichkeit, die bewundernswert war. Und er hat daran gedacht, dass Fernsehen Teamarbeit ist. Die Bedeutung der Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten, hat er nie vergessen. Überhaupt hatte er einen sehr angenehmen Umgang mit seinem Umfeld. Ich kenne viele, die gerne mit ihm zusammengearbeitet haben.

Vor gut zehn Jahren war ich auserkoren, die Sendung zu seinem 70. Geburtstag zu moderieren. Er hatte sich das – so ist es mir zumindest zugetragen worden – gewünscht, und ich habe das sehr, sehr gerne gemacht. Die Sendung war eine Tribute-Show. Er saß in einem schönen Sessel, und die Gäste, darunter viele Stars der Schlagerszene, haben für ihn gesungen. Da konnte man förmlich spüren, wie eine ganze Branche sich vor ihm verneigt und dankbar ist. Denn: Dieter Thomas Heck hat mit der „Hitparade“ Karrieren gefördert beziehungsweise überhaupt erst möglich gemacht. Es gibt Dutzende von Sängern und Sängerinnen, die ohne ihn nie so bekannt und erfolgreich geworden wären, wie sie heute sind.

Bei dieser Geburtstagssendung habe ich übrigens eine eiserne Regel gebrochen. Ich trinke ohnehin nicht viel, aber vor einer Sendung schon gar nicht. Also niemals! Aber – Dieter Thomas Heck hat mich gezwungen. Anders kann ich es nicht nennen. Ich musste mit ihm, das war sein Ritual, einen Korn trinken! Ich habe versucht, mich standhaft zu weigern – erst durch Ausreden, dann durch Abwesenheit. Aber es nützte alles nichts. Er hat drauf bestanden – und ich habe am Ende getrunken. Da war klar, wer Chef im Ring ist.

Das letzte Mal gesehen habe ich ihn vor gut zwei Jahren, als er in meiner Sendung „Unsere größten Hits“ zu Gast war. Da war er schon nicht mehr so gut bei Kräften, aber es war trotzdem eine große Freude, ihn bei uns zu haben. Ich denke mit ganz großem kollegialem Respekt an ihn und wünsche seiner Frau, seinem Hildchen, viel Kraft.

Aufgezeichnet von Stefanie Thyssen.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare