„Er hatte Probleme mit Menschen“

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drehbericht . Ulrich Tukur spielt die Hauptrolle in einer ARD-Produktion über den Tierfilmer und Naturschützer Bernhard Grzimek.

Von Sabine Maurer

Es ist eine Art Familienfoto, das im Frankfurter Zoo aufgenommen wird – Christian Grzimek posiert neben einem Mann, der seinen Großvater spielt. Ulrich Tukur hat sich der Rolle des berühmten Tierfilmers Bernhard Grzimek angenommen, die ARD verfilmt nun dessen Leben. „Als ich mir den Trailer des Films angeschaut habe, ging mir das schon nahe“, sagt der Enkel am Rande der Dreharbeiten und plaudert ein wenig über seinen Opa. Wie diszipliniert dieser war und wie er auch nach langen Nächten jeden Morgen um sechs Uhr aufstand, um Frühsport zu machen.

Bernhard Grzimek (1909 – 1987), geboren im ehemals schlesischen Neiße, gilt als Pionier des internationalen Naturschutzes. Der langjährige Direktor des Frankfurter Zoos wurde ab den Fünfzigerjahren auch mit seiner ARD-Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ berühmt, von der bis zum Jahr 1987 rund 175 Folgen ausgestrahlt wurden. Seine Begrüßungsformel lautete stets „Guten Abend, meine lieben Freunde“. Für seinen Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ bekam er im Jahr 1960 einen Oscar. Für Produzent Nico Hofmann ist Grzimek der „erste Grüne“. „Das Thema Arten- und Umweltschutz nimmt ein Drittel des Films ein“, sagt er. Der Rest ist Charakterstudie und Melodram. Hofmann: „Ich habe selten einen Lebenslauf gesehen, der so unglaublich ist. Grzimeks Leben ist für einen Film wie gemacht.“

Der promovierte Tierarzt hatte viele Marotten. Um etwa gegen das Essen von Froschschenkeln zu protestieren, klebte er entsprechende Aufkleber in die Speisekarten von Restaurants. Das brachte ihm einige Lokalverbote ein. Einer Frau steckte er während eines Banketts eine Gottesanbeterin in den Ausschnitt – sie fiel in Ohnmacht. Auch liebte er alberne Scherzartikel. So legte er Furzkissen und künstliche Hundehaufen aus und freute sich wie ein Kind, wenn jemand darauf hereinfiel.

Doch auch die dunklen Seiten des so nett und harmlos wirkenden Mannes werden thematisiert. „Er konnte mit Tieren umgehen, aber er hatte Probleme mit Menschen. Er war unleidlich und autoritär“, sagt Tukur. Für ihn sei dieser widersprüchliche Mensch schwer zu fassen gewesen. „Ich wusste vorher auch gar nichts über die Abgründe in seiner Lebensgeschichte. Aber das ist natürlich auch tolles Futter.“

Seiner ersten Frau Hildegard – im Film gespielt von Barbara Auer – war Grzimek notorisch untreu gewesen. Nachdem der Sohn Michael (Jan Lennart Krauter) bei den Dreharbeiten zu dem preisgekrönten Film über die Serengeti ums Leben kam, ging die Ehe zu Bruch. Grzimek heiratete ausgerechnet dessen Witwe Erika (Katharina Schüttler). „Sollen die Jungs ihren Opa jetzt Vati nennen?“, schleudert ihm seine erste Ehefrau in dem Film wütend entgegen. In einer anderen Szene nennt sie ihn einen „dummen, dummen Mann“. „Man fragt sich ja schon, warum diese starke Frau das alles mitgemacht hat. Sie ist eine brüchige Figur“, sagt dazu Auer.

Ebenso wie einst Grzimek musste nun auch Ulrich Tukur wilden Tieren wie Giraffen oder Okapis sehr nahe kommen. „Vor dem Geparden hatte ich Manschetten“, gibt der Schauspieler, der sich nicht doubeln ließ, zu: „Er war sehr nervös.“ Noch bis Ende Juni dauern die Dreharbeiten, ab kommender Woche wird in Südafrika gefilmt. Das Drehbuch schrieb Marco Rossi, Regie führt Roland Suso Richter, dessen dokumentarisches Fernsehspiel „Die ,Spiegel‘-Affäre“ erst vor wenigen Tagen im Ersten lief.

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