ZUSCHAUER SEHEN DURCH „HEUTE SHOW“-SATIRE DAS CHRISTENTUM VERUNGLIMPFT – REGIONALBISCHÖFIN VERTEIDIGT CLIP

Hase und Hetze

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Von Rudolf Ogiermann. Darf der Osterhase – mit Rücksicht auf die in Deutschland lebenden Muslime – nicht mehr Osterhase genannt werden?

Ist das der Anfang vom Ende der christlichen Prägung des Landes? Die Tatsache, dass ein Schokoladenhersteller seinen Osterhasen „Traditionshase“ nennt (und zwar schon seit den Neunzigerjahren), sorgte Ende März unter anderem bei AfD-Chef Jörg Meuthen für Empörung. Wer in dieser Bezeichnung „keine Unterwerfung erkennen kann, möge seine Wahrnehmung ärztlich untersuchen lassen“, wetterte Meuthen via Facebook. Die Macher der ZDF-„heute show“ griffen diese und andere, ähnlich lautenden Äußerungen auf und zogen mit einer Satire, die Meister Lampe als „zentrale Figur der christlichen Mythologie“ zeigt, ihrerseits den Zorn einiger Zuschauer auf sich. Die erstatteten jetzt Anzeige gegen das ZDF wegen „Beschimpfung religiöser Bekenntnisse“.

Ein Hase inmitten der Jünger beim letzten Abendmahl, ein Hase am Kreuz, ein Hase, der aus einem Osterei „aufersteht“ – womit die Macher um Oliver Welke in ihrem etwa zweiminütigen Clip humorvoll zeigen wollten, dass das begleitende Brauchtum mit dem Kern des Osterfestes nichts zu tun hat, ließ diverse Augen- und Ohrenzeugen der Sendung vom 6. April erzürnt zur Feder greifen. Wie die Staatsanwaltschaft Mainz gegenüber dem Evangelischen Pressedienst bestätigte, seien bis Anfang der Woche mindestens vier Anzeigen eingegangen.

Beim Mainzer Sender sieht man auf Anfrage unserer Zeitung die Sache gelassen. „Bislang liegen uns keine Anzeigen vor“, sagte ein Sprecher. Im Übrigen gehe man davon aus, „dass durch den Beitrag die Grenzen der Satirefreiheit nicht überschritten wurden“.

Dass Welke mit seinem Osterhasen beim letzten Abendmahl und am Kreuz den christlichen Glauben verhöhnt haben soll, kann auch Oberbayerns evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler nicht nachvollziehen: „Im Gegenteil, er nimmt sich diejenigen vor, die rein säkulare ,Errungenschaften‘ wie einen Schokoladenosterhasen als Symbol für das christliche Abendland missverstehen“, so Breit-Keßler im Gespräch mit unserer Zeitung: „Und damit Kreuz und Auferstehung einer anderen Form der Lächerlichkeit preisgeben.“ Kreuz und Auferstehung bedeuteten Tod und Leben, da gehe es ums Ganze menschlicher Existenz. Das lasse sich nicht auf „lila und goldene Schmunzelhasen“ reduzieren.

Natürlich könne sie die Menschen verstehen, „die das nicht oder nur mäßig witzig finden“, so die Theologin: „Aber zum Gespött gemacht hat Welke in meinen Augen nicht den christlichen Glauben, sondern seinen Missbrauch und die Oberflächlichkeit im Umgang mit Feiertagen.“ Davon abgesehen sei es doch „Kennzeichen eines Christenmenschen, dass er Satire gelassen nehmen und souverän über manchen Albernheiten stehen kann. Der liebe Gott muss das jeden Tag machen.“

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