KEINE EINWÄNDE IN MÜNCHENS KULTUR- UND WIRTSCHAFTSAUSSCHUSS GEGEN EINE GENERALSANIERUNG DES GASTEIG

Die große Lösung

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von markus Thiel. Das Poltern war mutmaßlich bis weit über die Stadtgrenzen hinaus zu hören – so groß dürfte die Steinlawine gewesen sein, die gestern den Verantwortlichen um den neuen Gasteig-Chef Max Wagner vom Herzen gefallen ist.

Die Planung für ein runderneuertes Kulturzentrum hat in einer gemeinsamen Sitzung von Kultur- und Wirtschaftsausschuss ihre entscheidende Hürde genommen. Einstimmig ließen die Stadträte die Beschlussvorlage passieren, sodass ein Planungswettbewerb auf den Weg gebracht werden kann. Nun muss noch der Stadtrat am 5. April zustimmen, was angesichts der gestrigen Einmütigkeit als Formsache gilt.

Alles läuft dabei, das war aus den Wortmeldungen quer durch die Fraktionen herauszuhören, auf eine Generalsanierung hinaus. Für diese sind laut Vorlage rund 450 Millionen Euro veranschlagt (wir berichteten). Wenn schon am Gasteig die Bagger anrücken, dann sollten bitte Nägel mit Köpfen gemacht werden, so die Stimmung. Das von Max Wagner favorisierte Paket beinhaltet eine akustische Ertüchtigung der Philharmonie, einen Umbau des Carl-Orff-Saals, eine Vergrößerung der Glashalle, eine Neugestaltung der Bibliothek sowie neue Restaurant- und Bistro-Bereiche, unter anderem ist ein kulinarischer Treff auf dem Dach der Philharmonie geplant.

9,4 Millionen Euro wird sich München den Planungswettbewerb kosten lassen, gleichzeitig können – vorbehaltlich eines positiven Votums des Stadtrats – bald Verhandlungen über Interimsspielstätten aufgenommen werden. In der gestrigen Ausschusssitzung wurde dabei deutlich, dass Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Kulturreferent Hans-Georg Küppers das kommunale Areal an der Olof-Palme-Straße in Riem favorisieren. Auch Valery Gergiev, Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, ist schon dorthin gebracht worden. Und der, so sagte Küppers ironisch, habe sich darüber gewundert, dass das Grundstück doch nicht 20 Kilometer außerhalb des Zentrums liege. Die Randlage ist das Hauptargument der Riem-Gegner. Nicht nur die Privatveranstalter befürchten Einbrüche bei der Kartennachfrage, auch aus den Reihen der Philharmoniker gibt es Bedenken. „Man sollte Riem nicht generell schlechtreden“, beschwichtigte Reiter. Für die Stadt wäre diese Lösung am bequemsten – Verhandlungen mit Fremdeigentümern entfielen in diesem Fall.

Deutlich wurde in der Sitzung aber auch: Über 450 Millionen Euro darf die Generalsanierung nicht hinausgehen. Manuel Pretzl (CSU) sprach sich daher für eine Kostendeckelung aus. Einen Totalabriss des Gasteig, wie er nochmals von Wolfgang Heubisch (FDP) ins Spiel gebracht wurde, lehnte Pretzl ab: Man könne über die Architektur trefflich streiten, doch sei das Gebäude mittlerweile „ein Stück Stadtbild“ geworden. Heubisch hatte zuvor kritisiert, dass die Variante Abriss und Neubau zwar in der Beschlussvorlage mit 700 Millionen Euro und acht Jahren Bauzeit berücksichtigt, aber „nie ernstlich geprüft wurde“.

Florian Roth (Grüne) mahnte, man dürfe nicht allein aufs Bauliche zielen, auch inhaltlich müsse der Gasteig saniert werden – eine Sache, die sich Max Wagner und sein Team ohnehin vorgenommen haben. Für Heiterkeit sorgte ein letztlich abgelehnter Antrag der Fraktion FDP/ Hut/ Piraten, der auf eine Interimsspielstätte auf der Theresienwiese zielte. Dabei könne man doch ein Wiesnzelt als Ersatz-Philharmonie nutzen. „Für 16 Mann Blech“ sei dies vielleicht diskutierbar, kommentierte Manuel Pretzl, doch mache dies nur einen kleinen Teil des Repertoires aus, das im Gasteig gespielt werde.

Einen leichten Seitenhieb unter anderem auf die Stadtkämmerei mochte sich Kulturreferent Küppers nicht verkneifen. Die städtischen Finanzhüter hatten unter anderem gefordert, Kürzungen bei den insgesamt 25 Maßnahmen der Generalsanierung vorzunehmen. Diese gut zwei Dutzend Einzelpläne, so formulierte es Küppers, seien kein „Wünsch’ dir was“, sondern „bereits abgespeckt“. Und in Sachen Ausweichspielstätte richtete der Referent einen Appell nicht nur an die Stadträte: „Wenn einer ein besseres Grundstück als Riem weiß, der möge uns das bitte zurufen.“

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