Große Gefühle

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Barbara Schöneberger dpa

Von martin Weber und Rudolf Ogiermann. Sie röhren Rocksongs, singen Chansons oder schreiben Bücher – viele Fernsehstars wie Barbara Schöneberger, Reinhold Beckmann oder Andrea Sawatzki betätigen sich nebenbei als Musiker oder Romanautoren – und es werden immer mehr.

Die Verlage und Veranstalter freut’s, denn in einer dauerüberhitzten Unterhaltungsbranche verkaufen sich Bücher, CDs oder Konzertkarten mit einem aus dem Fernsehen bekannten Namen darauf gleich noch einmal so gut.

So haben viele Fernsehgrößen wie Jan Josef Liefers, Anna Loos, Axel Prahl oder zuletzt auch Reinhold Beckmann den Rocker in sich entdeckt. Der 50-jährige Liefers, Star der beliebten „Tatort“-Filme aus Münster, singt mit seiner Band „Radio Doria“ von langen Nächten und großen Gefühlen. Vielleicht wurde es ihm allein daheim langweilig, denn seine Frau Anna Loos („Die Lehrerin“, „Helen Dorn“) fährt schon länger zweigleisig. Seit einigen Jahren ist sie – als Nachfolgerin von Tamara Danz – Frontfrau der legendären Ex-DDR-Rockformation „Silly“.

Auch Liefers’ Co-Ermittler im Münsteraner „Tatort“, Axel Prahl, erinnerte sich inzwischen seiner Wurzeln als Musiker und tourt mit seinem „Inselorchester“ durch die Lande. Schon zu Schauspielschulzeiten war der 55-Jährige, der einst Pat Metheny zu seinen Vorbildern zählte, mit seiner Band unterwegs. Da darf Ex-Talker Reinhold Beckmann, für den es im Fernsehen nicht mehr ganz so gut läuft, natürlich nicht fehlen. Mit Lederjacke und Gitarre inszeniert sich der 59-Jährige als softer Rocker und besingt pralle Brüste und Achselhaare der Frauen seiner jungen Jahre.

Auf eine wesentlich längere Karriere als Musiker kann Schauspieler Uwe Ochsenknecht („Der Bulle und das Landei“) zurückblicken, seine Single „Only One Woman“ landete Anfang der Neunziger sogar ziemlich weit oben in den Charts. Auch der Münchner „Tatort“-Star Miroslav Nemec ist bereits seit 1996 immer wieder mit seiner Band auf Tour, gelegentlich assistieren Kompagnon Udo Wachtveitl und Ex-Kollege Michael Fitz, der ebenfalls schon lange als Musiker erfolgreich ist. Nicht zu vergessen Schauspieler und Komiker Olli Dittrich, der seit zehn Jahren als Schlagzeuger „Ringofire“ für „Texas Lightning“ trommelt und mit dieser Countryformation und dem Song „No No Never“ im Jahr 2006 sogar beim Eurovision Song Contest teilnahm.

Gefragt sind beim Publikum aber nicht nur rebellische Rock, Country oder Blues von Prominenten, sondern auch lasziv gehauchte Chansons und Lieder mit pointierten Texten, die zum Schmunzeln und gerne auch einmal zum Nachdenken anregen sollen. Dafür stehen Stars wie Barbara Schöneberger, deren 2007 veröffentlichtes erstes Album den selbstironischen Titel „Jetzt singt sie auch noch!“ trägt, aber auch Eva Mattes, Meret Becker, Nora Tschirner oder Katrin Sass.

Und Ulrich Tukur, der seit nunmehr 20 Jahren mit den „Rhythmus Boys“ (Eigenwerbung: „Die älteste Boygroup der Welt“) Musik macht und regelmäßig die Veranstaltungshallen füllt. Mit Titeln wie „Fox Macabre“, „Ich steh im Regen“ oder „La Paloma“ sorgt der 57-Jährige, der singt sowie Klavier und Akkordeon spielt, wie kaum ein anderer aus seiner Zunft für Stimmung. Gelernt ist eben gelernt, auch vor der Kamera ist Tukur („Rommel“, „Die Auserwählten“) einer der Besten. Der vielseitig begabte Künstler macht aber nicht nur leidenschaftlich gerne Musik, sondern betätigt sich auch als Autor. Seine Werke wie etwa die Novelle „Die Spieluhr“ werden sogar von der Literaturkritik geschätzt.

Das lässt sich jedoch nur von den wenigsten belletristischen Werken sagen, die Schauspieler oder Moderatoren geschrieben haben. Romane wie „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner, „Die Chefin“ von Gaby Köster oder „Ein allzu braves Mädchen“ von Andrea Sawatzki verkaufen sich zwar gut, die Werke gelten aber als literarisch wenig anspruchsvoll. „Diese ganzen Fernsehnasen, die glauben, sie könnten Romane schreiben. Für mich ist das grauenhaft“, kommentierte denn auch unlängst Chefzyniker Harald Schmidt die literarischen Ergüsse von Fernsehstars.

Viele Schauspieler und Moderatoren singen oder schreiben auch – mehr oder weniger gekonnt

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