GROßE TRAUER UM SCHAUSPIELER LUKAS AMMANN, DER JETZT IM ALTER VON 104 JAHREN IN MÜNCHEN GESTORBEN IST

„Graf Yoster“ gab sich die Ehre

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von Stefanie Thyssen, J. Ruf und B.

Schultejans

„Graf Yoster“ schrieb Fernsehgeschichte, der Detektiv mit Adelstitel war einer der ersten deutschen Fernsehermittler. 50 Jahre ist der Start der Serie her, die Lukas Ammann berühmt machte: Die 76 Folgen von „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ wurden Kult und Lukas Ammann zum Fernseh-Star der Sechziger- und Siebzigerjahre. Zuletzt war er der vielleicht älteste Schauspieler der Welt. „Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte“, sagte er einmal. Jetzt ist der Schauspieler im hohen Alter von 104 Jahren in München gestorben. Das bestätigte seine enge Vertraute Annemarie von Kienlin am Mittwochabend.

Dass Ammann so alt wurde, konnte er sich selbst nicht so richtig erklären. „Ich habe nie so gelebt, dass ich 100 werden könnte“, sagte er damals zu seinem runden Geburtstag in einem Interview. „Arbeit bestimmte mein Leben.“ Sport und gesunde Ernährung waren für ihn nie ein Thema. Einzig: Mit über 80 hörte er auf, zu rauchen.

Den „Graf Yoster“ trug Ammann bis ins hohe Alter mit sich. Dunkler Anzug, edle Krawatte, Einstecktuch, ein weißer Sonnenhut und ein vornehmer Spazierstock: Er liebte den gepflegten Auftritt. „Mir war stilsicheres Auftreten immer wichtig“, sagte er. Gut gekleidet, vornehm und mit ausgezeichneten Manieren präsentierte er sich auch als Serien-Adeliger. Er bildete mit Wolfgang Völz ein einzigartiges Duo, spielte einen aristokratischen Amateurdetektiv und Krimiautor.

Die Serie in der ARD verschaffte Ammann große Popularität. „Graf Yoster“ ermittelte von 1967 bis 1976. Schon die Einstiegsszene der Produktion, die in der ARD lief, wird bei vielen älteren Zuschauern Erinnerungen hervorrufen: Chauffeur Johann (Wolfgang Völz), selbst mit krimineller Vergangenheit behaftet, fährt im schwarzen Rolls-Royce am Schloss vor und holt Yoster ab – und dieser löst dann in aller Eleganz knifflige Kriminalfälle im In- und Ausland. Standesgemäß hatte der blaublütige Ermittler nicht nur ein Autotelefon, sondern auch eine Minibar an Bord.

Gedreht wurden 76 Folgen – die ersten 24 Episoden noch in Schwarz-Weiß, dann in Farbe. Es spielten übrigens auch viele Schauspieler mit, die nach der Serie Karriere machten, so etwa Klausjürgen Wussow, Helmut Fischer und Klaus Schwarzkopf. Im April holte der Bayerische Rundfunk die ARD-Serie ein halbes Jahrhundert nach ihrem Start noch einmal aus dem Archiv und wiederholte die ersten 36 Folgen.

„Die Serie war ein Straßenfeger“, erinnerte sich der gebürtige Schweizer Ammann, der zuletzt in München gelebt hatte, in einem früheren Interview. „Ich werde häufig als Graf angesprochen. Sogar an der Bushaltestelle und im Supermarkt, wo Aristokraten ja eher selten anzutreffen sind.“ Auf einen Chauffeur konnte er selbst allerdings lange verzichten: Auch mit 100 Jahren fuhr er noch leidenschaftlich gerne Auto.

„Ich habe außer den Serien mehr als 500 Rollen auf der Bühne und mehr als 200 Fernsehrollen gespielt“, sagte er einmal. Doch „Graf Yoster“ veränderte sein Leben. Die Serie hatte für ihn aber auch Nachteile. „Ich war auf den Graf festgelegt und wurde für andere Filme daher kaum noch besetzt.“

Noch einmal in einer Serie war Ammann von 1994 bis 2000 bei den „Fallers“ zu sehen, einer Dauerserie im SWR Fernsehen. In 249 Episoden spielte er den Landwirt Wilhelm Faller. Seine TV-Erfolge allzu ernst nehmen mochte Ammann allerdings nicht. „Für einen Schauspieler sind Fernsehserien Konfektion“, sagte er. „Ich habe versucht, daraus etwas Maßkonfektion zu machen.“

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