DIE RENOMMIERTE KATHOLISCHE JOURNALISTENSCHULE IFP FEIERT IHR 50-JÄHRIGES BESTEHEN IN MÜNCHEN UND IN ROM

Wo Gottschalk sein Handwerk lernte

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Thomas Gottschalk kommt heute zum Festakt. Fotos: dpa

Von Christoph Renzikowski. Früher erkannten sich Journalistenschüler der katholischen Kirche an ihrem Gepäck, einer Reiseschreibmaschine.

Wer am Bahnhof ankam und „Gabriele“ dabei hatte, gehörte dazu. Die Zeiten sind vorbei. Heute besticht das Münchner „Medienkloster“ Sankt Anton durch modernste Technik. Zum Kameratraining geht es in die – zum Fernsehstudio umgebaute – Schmerzhafte Kapelle.

Hinter dem Kürzel ifp verbirgt sich seit 50 Jahren die etwas schwerfällige Bezeichnung „Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses“. Den Initiatoren sei 1968 nichts Griffigeres eingefallen, erinnert sich Gründungsdirektor Wolfgang Seibel (89). Spätere Umbenennungsversuche scheiterten. „Immer war einer dagegen“, sagt der Jesuit.

Inzwischen hat sich der Begriff „katholische Journalistenschule“ eingebürgert. Seibel kann sich auch damit nicht ganz anfreunden. Das „Katholische“ im Titel lehnte der bis 1991 amtierende ifp-Direktor stets ab. Allein schon, um den Eindruck zu vermeiden, die Kirche wolle damit eine „fünfte Kolonne“ in die Medien dieser Republik einschmuggeln.

Etwa 3000 Absolventen zählt das ifp bis heute. Der Prominenteste dürfte Thomas Gottschalk sein, der zur heutigen Jubiläumsfeier in der Münchner Jesuitenhochschule mit Kardinal Reinhard Marx über Gott und die Welt plaudern wird. Auch Bettina Schausten, die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, hat ihr Handwerk hier gelernt.

In der Branche wird das ifp sehr geschätzt. Das drückte sich auch in Geldspritzen einiger Sponsoren aus, als das Institut vor zehn Jahren von verschiedenen Standorten aus in München zusammengeführt wurde und neue Räume bezog. Die 24 Gästezimmer tragen Namen berühmter Publizisten, von Egon Erwin Kisch bis zu Marion Dönhoff. Die 27 deutschen Bistümer lassen sich den Betrieb jährlich 1,6 Millionen Euro kosten, rund 400 000 Euro müssen durch Gebühren von Weiterbildungsteilnehmern eingespielt werden. Das Ausbildungsangebot hat sich im Laufe der Jahre immer weiter ausdifferenziert. Theologen können sich im ifp fit machen für das „Wort zum Sonntag“ oder besinnliche Kurzansprachen im Radio. Seit über 20 Jahren werden journalistische Talente aus den früheren Ostblockländern ausgebildet. Etwa ein Dutzend Tageszeitungshäuser schickt seine Volontäre regelmäßig zu externen Kursen ins ifp.

Zum Jubiläum lädt das Institut im Herbst nach Rom. 400 Anmeldungen gibt es, so viel wie noch nie. Das gute Miteinander rührt auch daher, dass die Journalistenschüler im ifp nicht nur zusammen lernen, sondern auch wohnen. Einige Paare fürs Leben haben sich so gefunden.

Seit 2016 müssen Bewerber für die Stipendiaten- oder Volontärsausbildung nicht mehr zwingend katholisch sein. Sie sind es in der Regel zwar, aber man will auch interessanten Kandidaten mit einem anderen weltanschaulichen Hintergrund eine Chance geben, ohne das eigene Profil zu relativieren. So klopfte schon eine in Deutschland geborene Muslimin an die Tür, die als Schülerin ein katholisches Gymnasium besucht hatte.

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