Mit glücklicher Hand

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Premierenkritik . Mit Verdis „Otello“ in der Inszenierung von Magdalena Fuchsberger eröffnete das Opernfestival auf Gut Immling.

von tobias hell

Ein Beginn mit Donner und Blitz! Nein, zum Glück nicht auf dem „grünen Hügel“ von Gut Immling, wo man zur Eröffnung der aktuellen Festivalsaison unter anderem mit einem malerischen Sonnenuntergang verwöhnt wurde. Sehr wohl aber im Graben, wo Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock am Pult der Münchner Symphoniker gleich mit den ersten Takten von Giuseppe Verdis „Otello“ ein orchestrales Gewitter beinahe biblischen Ausmaßes entfesselt und keinen Zweifel daran lässt, dass die kontrastreiche Partitur bei ihr in besten Händen liegt.

Bereits zum zweiten Mal seit der Gründung vor 18 Jahren steht Verdis kongeniale Shakespeare-Vertonung auf dem Spielplan des Chiemgauer Opernfestivals – und auch bei dieser Neuproduktion hatte Festivalchef Ludwig Baumann bei der Besetzung wieder einmal ein glückliches Händchen.

Zwar hat Titelheld Efe Kislali bei seinem ersten Auftritt für einen kurzen Moment noch andere Tempovorstellungen als die Dirigentin, doch einen Helden von diesem vokalen Format trifft man heute auch an größeren Häusern keineswegs jeden Tag. Ein baritonal grundierter Tenor, der nicht nur im berühmten Racheduett mit kraftvollen Spitzentönen auftrumpft, sondern die heikle Partie vor allem auch in den emotional gebrochenen Momenten wie dem „Dio mi potevi scagliar“ oder Otellos Schlussmonolog glaubwürdig zu gestalten weiß.

Ihm zur Seite steht seine türkische Landsfrau Deniz Yetim, die ihren bereits in dramatischere Richtungen tendierenden Sopran im Liebesduett des ersten Aktes warm aufblühen lässt, für das letzte „Ave Maria“ im Angesicht des Todes aber auch, mit Unterstützung vom Dirigentenpult, wieder zu innigen Piani findet. Ihre Desdemona ist nicht das sonst oft anzutreffende unterwürfige blonde Opfer, sondern ganz klar als selbstbewusste, starke Frau an Otellos Seite gezeichnet, die sich bei keiner der späteren Auseinandersetzungen ins Abseits drängen lässt. Oder ganz mit Jagos Worten, „die Herrin unseres Herren“, deren Einfluss auf die Karriere ihres Mannes nicht zu unterschätzen ist. Sie ist es, die den siegreichen Feldherren zum jubelnden „Esultate“ mit Säbel und Mantel ausstattet und ihm die schwarze Kriegsbemalung verpasst.

Diese Aufwertung der Figur entspricht ganz dem Konzept von Regisseurin Magdalena Fuchsberger, die das zeitlose Drama um Liebe und Vertrauen ohne inszenatorische Mätzchen auf die karge, von Claus Hipp ausgestattete Bühne bringt und immer ganz nah an der Geschichte und ihren Figuren bleibt. Otello und Desdemona sind bei ihr gleichwertige Partner, die ohne einander nicht existieren können. Wobei die Sympathien der Regisseurin – ähnlich wie die des Publikums – am Ende klar bei Desdemona liegen.

Dritter im Bunde ist der stimmlich ebenso wie darstellerisch überaus agile Waliser Rhys Jenkins als Jago, der auf den ersten Blick so gar nicht dem typischen Rollenklischee des finsteren Intriganten entsprechen will. Kommt er doch, immer mit einem leisen Lächeln auf den Lippen, zunächst als munter über die Bühne tänzelnder Spaßmacher mit verwuscheltem Haar und Schlabberpullover daher. Hinter der heiteren Fassade jedoch gärt auch bei ihm der blanke Hass, der im wütend herausgeschleuderten „Credo“ kurz offen zu Tage treten darf. Dann findet Jago wieder zu seinem alten Pokerface und lässt Otello wie Cassio gleichermaßen an seinen Fäden tanzen, um sie dem tragischen Ende entgegenzutreiben. All das stets beäugt vom Chor, der hier zum Teil als Premierenpublikum kostümiert, gespannt das Geschehen verfolgt und stimmstark seinen Teil zum Gelingen des Abends beiträgt.

Weitere Vorstellungen

am 27. Juni, 4., 12., 27. Juli sowie 2. und 9. August;

Telefon 08055/ 90 340.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare