Das Glück ist so nah

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Sie können sich herrlich angranteln: Elisabeth (Heidelinde Weis) und Anton (Werner Schneyder).

Heidelinde Weis und Werner Schneyder feierten mit „Winterrose“ in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere. von Malve Gradinger.

„Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute sitzt so nah“, hätte sich Elisabeth Leitgeb sagen müssen. Denn während sie wie besessen Annonce um Annonce aufgibt, um den idealen Lebenspartner zu finden, hockt der Gute ja schon auf ihrer Parkbank: ihr Beobachtungsposten, von dem aus sie die auf das gegenüberliegende Treffpunkt-Café zumarschierenden Bewerber per Fernglas vorab ins Visier nimmt. Das Drei-Person-Stück „Winterrose“ – Elisabeths Annoncen-Kennwort – von Christa, Agilo und Michael Dangl wurde soeben in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof mit großer Begeisterung aufgenommen. Wie auch nicht, bei Heidelinde Weis und Werner Schneyder als sich gegenseitig angrantelndem Paar, das nach vielen störrischen Verzögerungen am Ende zu einer Annäherung findet.

Das machen die zwei sehr schön, einem älteren Paar gemäß leise, unsentimental: „Wir können ja mal mit Schach anfangen“, schlägt Weis mit noch prüfendem Blick vor. Im Grunde sind beide durchgehend geradezu heroisch in diesem, frei heraus gesagt, Nicht-Stück. Es ist lediglich eine Reihung von knappen und, ja, leider, bis zur Schmerzgrenze belanglosen Parkbank-Gesprächen, die der Viel-Arbeiter René Heinersdorff, Erfahrung und Strahlkraft seiner Protagonisten einrechnend, auffällig geradlinig vom Blatt herunter inszenierte.

Man verfolgt also durch die Jahreszeiten, mal beschallt mit hellem Vogelgezwitscher, mal mit Krähen-Gekrächze, wie Schneyders Hobbyliterat Anton beim Lesen der „Göttlichen Komödie“ seine Ruhe haben will, während Weis’ Elisabeth sich unentwegt über die Annoncen-„Fundstücke“ mitteilt: Muttersöhnchen, fundamentalistische Blumenzüchter, in Latein parlierende Typen. Das könnte bissige Partnersuche-Satire sein – könnte. Der Park-Gärtner Horst, der als Beziehungs-Schutzengel für die beiden fungiert – Rolf Berg: auch heroisch –, plaudert ein wenig mit Anton über das Paarverhalten von Enten. „Woher wissen Sie das“, fragt Anton einmal. Horst: „Ich hab Google gefragt.“ Anton: „Ist das ein Freund?“ Schneyder hat sich vor vielen Jahren als Nicht-Handy-Benutzer geoutet, ist also kein Technik-Freak. Aber ihm eine solch anorexische Pointe – die beispielhaft ist für die restlichen des Abends – in den Mund zu legen, zeugt von Regie-Fahrlässigkeit.

Was bleibt: Schneyder, der seinem Anton eine stoische Ruhe verleiht, die das nervöse Huhn Elisabeth der Weis instinktiv als sicheren Beziehungshafen erspürt. Und natürlich sieht man Weis gerne zu, wie sie mit ihren schlanken Beinen über den Parksteg tänzelt, wie sie mit spielerischem Charme die Endlos-Schleife ihrer Partner-Experimente zu variieren versteht.

Weitere Vorstellungen

bis 21. Februar, 20 Uhr, So. 18 Uhr. Tel. 089/29 16 16 33.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare