„Es gibt die Gefahr, in alte Muster zurückzufallen“

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Zupackender Hoffnungsträger des Jazz: Gregory Porter kommt nächste Woche nach München. Foto: shawn peters

Der Jazz-Sänger Gregory Porter über die Krawalle in Ferguson, Rassismus in den USA,. das deutsche Publikum und wie er Russland eroberte.

Ein Jazzer mit Popstar-Status. Newcomer mit 43. Hoffnungsträger eines Genres. Der Sänger Gregory Porter ist gerade dabei, von Brooklyn aus die Welt zu erobern. Sein Vorbild: Nat King Cole. Seine nächste Station: München. Am Mittwoch kommt der stämmige Bariton in die Muffathalle. Zuvor sprachen wir mit ihm in Brüssel.

-In Ferguson gibt es wieder heftige Rassenunruhen. Hört das in den USA denn nie auf?

Es ist ein ständiges Auf und Ab. Wir haben mit Barack Obama endlich einen schwarzen Präsidenten. Aber wir müssen aus den Fehlern unserer Geschichte lernen, sie nicht wiederholen. Die sozialen Unterschiede verstehen. Lernen, wo wir herkommen, um weiterzugehen. Es besteht gerade wieder die Gefahr, in alte Muster zurückzufallen, bei denen Menschen über anderen Menschen stehen, bei denen es Klassen gibt. Unverständlich für mich.

-Ihre Lieder sind mitunter kritische Statements etwa gegen Rassismus.

Wenn ich zum Beispiel über Martin Luther King singe, denke ich an Respekt, Freiheit. Dann hat dieser Antrieb mit negativen rassistischen Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugendzeit in Bakersfield, Kalifornien, zu tun. Die versuche ich, in die Musik zu bringen. Ich bin kein Politiker, aber ich will über meine Musik Liebe, Menschlichkeit, die Energie von Toleranz ausdrücken. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages diese Werte vorherrschen.

-Von welchen rassistischen Erfahrungen sprechen Sie?

Mein Bruder wurde zweimal angeschossen, weil er nachts in Gegenden ging, in die man als Schwarzer nicht zu gehen hatte. Er überlebte. Unser Auto wurde vor der Haustür angezündet. Auf der Highschool wollte ich ein weißes Mädchen ausführen und fragte die Familie. Die sagte, das Mädchen sei ihnen zu wertvoll und zu wichtig, um es mit einem Schwarzen ausgehen zu lassen.

-Stimmt es, dass Sie Ihr Kopftuch samt Ballonmütze als Zeichen des Protestes gegen Rassismus tragen?

Ich weiß nicht, wo diese Meldung herkommt. Aber das stimmt nicht. Meine Kopfbedeckung ist allein ein Zeichen meines persönlichen Stils.

-Jetzt kommen Sie wieder nach Deutschland. Sind die Deutschen ein fachkundiges Jazzpublikum?

Ja, sehr. Jazz wurde in Deutschland historisch gesehen schon immer wertgeschätzt. Viele lieben Jazz. Den weltweit größten Erfolg habe ich derzeit nicht in England oder Frankreich, sondern in Deutschland.

-Warum gerade hier?

Vielleicht hat es mit meiner Stimme zu tun, die Jazz und Soul zusammenbringt – und mit meinem ursprünglichen Sound, meiner Band, der Improvisation, der emotionalen Seite meiner Musik.

-Sie hatten Ihren Durchbruch erst ziemlich spät, mit knapp 40...

Ich hatte Songs, eine Band, konnte aber keine Plattenfirma finden. 2005 kam alles langsam ins Rollen.

-Sie spielten Theater, um Geld zu verdienen, 1999 am Broadway. Ein Russe brachte Sie groß heraus, als er Sie auf Tournee in seiner Heimat einlud.

Ich sagte ihm: „Da kennt mich doch kein Mensch.“ Er sagte: „Ich gebe die Demos den Radiosendern in den Städten, in denen du auftrittst, und du wirst sehen, am Abend sind die Hallen voll.“ So war es. Bis dahin hatte ich nur in kleinen Clubs gesungen, noch nicht mal eine Platte veröffentlicht. Er hat mich in die großen Konzerthallen gebracht. Jetzt singe ich weltweit in solchen Häusern. Wow.

Das Gespräch führte Marco Mach.

Das Konzert

am 3. Dezember in der Münchner Muffathalle ist ausverkauft. Restkarten mit Glück an der Abendkasse.

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