EINE BERÜHRENDE ARD-REPORTAGE ERZÄHLT VON ZWEI MENSCHEN UND IHREM ALLTAG NACH EINER ORGANTRANSPLANTATION

Gespendete Lebenszeit

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Meggy Wolfsfeld lebt mit der Lunge eines Toten. Ohne Spende hätte sie keine Zukunft gehabt. Foto: SR/Norman Striegel

Von Katharina Dockhorn. Leo Veenendaal und Meggy Wolfsfeld hatten einen Schutzengel, der ihnen ein zweites Leben schenkte.

Sie warteten jahrelang auf ein Spenderorgan. Der Tod eines anderen Menschen und die Großzügigkeit eines Verwandten gaben ihnen eine zweite Chance. Für seine Langzeit-Reportage „Mein Organ hat eine Seele – letzte Chance Transplantation“ hat Norman Striegel die beiden über vier Jahre begleitet. Das Erste strahlt den Film am Sonntag um 17.30 Uhr im Rahmen der Reihe „Echtes Leben“ aus.

Leo Veenendaal ist gerade 16 Jahre alt, als seine Niere versagt. Seitdem wird sein Leben von der Dialyse bestimmt. Drei Nächte verbringt er jede Woche für die Blutwäsche im Krankenhaus. Er versucht, sein Leben normal zu gestalten, studiert Medizin, treibt Sport, baut sich eine Beziehung auf. Er habe den Ehrgeiz, dass ihm keiner seine Erkrankung anmerke, erzählt er im Gespräch an der Hamburger Alster. Aber oft sei er einfach zu erschöpft und müde, um die Leistung eines gesunden Menschen zu erbringen. Die Hoffnung auf eine Spende gibt er auf. Sein Vater gibt schließlich eine seiner Nieren, damit der Sohn gesund weiterleben kann.

Im Jahr 2012 wurden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation 766 Nieren von Menschen gespendet, obwohl das Organ auch in ihrem Körper gebraucht wird. Fünf Jahre später waren noch 557 Spender zu diesem drastischen Schritt zu Lebzeiten bereit. Ebenso kontinuierlich ging die Zahl der Organentnahmen nach dem Tod eines Menschen zurück. 1820 Nieren wurden 2012 transplantiert, fünf Jahre später waren es nur noch 1364. Auf solche Statistiken verzichtet die Reportage aber. Sie setzt auf die Emotionalität der beiden Schicksale. Leo und Meggy hätten ohne die Transplantation die vergangenen Jahre kaum mehr erlebt.

Lungen können nur von Toten entnommen werden. Meggy denkt heute oft an den Menschen, der über seinen eigenen Tod hinaus gedacht hatte und einen Organspenderausweis bei sich hatte. „Ich habe demjenigen mein Glück zu verdanken“, gesteht sie. Gerne würde sie sich bedanken, der Datenschutz verbietet aber die direkte Kontaktaufnahme mit den Hinterbliebenen. Vor der Operation konnte die passionierte Motorradfahrerin und Karnevalistin ihr Haus nicht mehr verlassen. „Ich bin verrentet worden, es ging von Jahr zu Jahr rapide abwärts.“

Doch sie weiß auch, dass die gespendete Lunge ihr eventuell nur für eine begrenzte Zeit gute Lebensqualität gibt. Im Schnitt leben Menschen mit transplantierten Lungen acht Jahre damit, haben ihr die Ärzte gesagt. Ob es dann wieder ein Organ geben wird, daran mag die 57-Jährige im Moment nicht denken. Sie will jetzt erst einmal eines: ihr Leben in vollen Zügen genießen.

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