„Gesagt ist gesagt und uneinholbar“

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Ist er’s, oder ist er’s nicht? Senta Bergers Figur Maria Koppel – von ihr selbst erfunden – ist während des Speed Datings skeptisch, den Mann ihres Herzens zu finden. Und wird immer verschlossener. foto: ard

Senta Berger über Herausforderungen beim improvisierten TV-Experiment „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“. Sie ist die große Dame des deutschsprachigen Films: Senta Berger.

In „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ (heute, 20.15 Uhr, ARD) kann die 73-Jährige nun alle Register ihrer Kunst ziehen. Die Improvisationskomödie schildert ein mäßig erfolgreiches Flirt-Treffen für reife Männer und Frauen, bei dem neben Senta Berger weitere Stars wie Mario Adorf oder Matthias Habich die einsamen Herzen spielen – und das ganz ohne Drehbuch. Der innerhalb von nur zwei Tagen in Hamburg gedrehte Film ist ein TV-Experiment, das vom 13. November an in den Dritten Programmen von NDR und WDR als Serie fortgesetzt wird.

-„Altersglühen“ ist ein Film, der ohne Drehbuch entstanden ist: Sie und Ihre Kollegen haben Ihren Text improvisiert. Waren Sie gleich angetan von dieser Idee?

Ja, ich habe sofort begeistert zugesagt. Mich hat zuallererst das Thema interessiert, sonst hätte ich auch gar nicht eine Figur erfinden und ihre Texte improvisieren können. Dass Menschen im sogenannten reifen Alter sich treffen, sich als Fremde gegenübersitzen und sich selbst in sieben Minuten erklären müssen, das stelle ich mir schwierig und schön vor. Dieses Thema hätte ich auch nach einem geschriebenen Drehbuch spielen mögen, aber natürlich war das größere unwägbare Abenteuer, diese Frau selbst zu erfinden und damit auch ihre Texte.

-Wie sah Ihre Vorbereitung auf die Rolle aus?

In Absprache mit dem Regisseur Jan Schütte habe ich mir die Figur Maria Koppel ausgedacht. Er kannte als einziger meine ausgedachte Biografie und die meiner Kollegen, um eventuelle Doppelungen zu vermeiden. Ich konnte mich nur auf meinen Lebensgang und auf meine Eigenschaften, also die meiner Figur Maria, vorbereiten. Ich wusste ja nicht, wem ich begegnen würde. Ja, schon, ich wusste: Mario Adorf wird dabei sein, Michael Gwisdek, Matthias Habich – das waren die Kollegen, mit denen ich schon gespielt hatte. Da war also eine gewisse Vertrautheit zwischen uns, die ich aber gar nicht gebrauchen konnte, ganz im Gegenteil. Ich musste aufpassen, nicht in mein privates Leben zurückzufallen, wenn ich mit alten vertrauten Kollegen am Tisch saß.

-Ihre Figur scheint im Lauf des Datings immer abweisender zu werden. War das so geplant?

Nein, das hat sich so ergeben. Maria sieht: Da ist keiner dabei – wieder einmal keiner. Ganz Geschäftsfrau wird sie keine weitere Zeit verlieren. Auf die Männer, die sich ihr vorstellen, lässt sie sich nicht wirklich ein. Schade, Maria wird sie also nicht kennenlernen. Es gibt keinen, der von ihr beeindruckt wäre, also keiner von den Männern, die doch vielleicht in Frage kämen. Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht gemalt. Ich habe das aber gar nicht gewusst. Ich habe das auch erst festgestellt, als ich den Film gesehen habe.

-Wie nahe ist Maria Ihnen persönlich?

Gar nicht.

-Sie sind nicht so direkt wie Maria, die es ja ganz ungeniert sagt, wenn ihr an einem Mann etwas nicht gefällt?

Nein, ich bin sehr zurückhaltend, vorsichtig. Besonders dann, wenn ich jemanden nicht gut und lange kenne.

-Könnten Sie sich vorstellen, als Single zu einem solchen Speed Dating zu gehen?

Ja, doch. Aus Neugierde. Aus Einsamkeit.

-Sieben Minuten dauert so ein Flirtgespräch. Reicht das aus, um sich zu verlieben?

Zum Verlieben vielleicht nicht. Dieses spontane Verlieben gibt es, glaube ich, nur in jüngeren Jahren. Aber sieben Minuten reichen durchaus, um zu merken: Der könnte mir gefallen – interessant, was der erzählt und wie der guckt.

-Mit wem wären Sie im Anschluss einen Kaffee trinken gegangen, wenn es ein echtes Kennenlerntreffen gewesen wäre?

Mit dem jungen Zeremonienmeister, den Jan Schütte spielte. Der hat mir am besten gefallen. Also nicht mir, sondern der Maria. Die Senta ist dann mit allen Kollegen ins Hotel gegangen und hat dort erleichtert und froh mit ihnen bei Wein gefeiert. Das war ein wunderschöner Abend.

-Waren Sie vor Drehbeginn sehr aufgeregt?

Ja, schon. Ich schlafe immer schlecht vor einem ersten Drehtag. Und am ersten Tag fällt mir immer wieder das Drehbuch aus der Hand, aber dieses Mal gab es keines. Die Aufregung hatte auch zu tun mit dem Gefühl, ins Unbekannte zu gehen, Unerwartetes zu hören, zu sehen und darauf spontan reagieren zu müssen.

-Ist es einfacher, mit vorgefertigten Texten zu arbeiten?

Nein, das würde ich nicht sagen. Es gibt im Übrigen auch bei den geschriebenen Texten genug Notwendigkeit zu improvisieren. Aber bei den üblichen Filmarbeiten ist doch ein Sicherheitsnetz ausgespannt: das der möglichen Wiederholung einer Szene. Doch wir wussten: Das wird bei der Arbeitsweise, die wir uns vorgenommen hatten, nicht möglich sein. Gesagt ist gesagt und uneinholbar.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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