EIN NEUES STAATSTHEATER

„Genau der richtige Zeitpunkt“

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Intendant André Bücker zur „Beförderung“ des Augsburger Hauses

Nürnberg wurde vor einiger Zeit zum Staatstheater erhoben, zudem soll dort ein Konzertsaal gebaut werden. Die Bamberger Symphoniker sind inzwischen Staatsphilharmonie. Dass sich auch das Theater Augsburg bald Staatstheater nennen darf, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in seiner Regierungserklärung ankündigte, passt also ins Bild: Die Schwaben waren einfach „dran“. Vielleicht auch deshalb, um jenen Kritikern (und Abgeordneten) den Wind aus den Segeln zu nehmen, die eine ständige Bevorzugung der Landeshauptstadt anprangern. In München gilt es schließlich, das Projekt Konzerthaus für knapp 400 Millionen Euro durchzuziehen. Zudem schlägt die Sanierung des Deutschen Museums mit einer knappen halben Milliarde Euro zu Buche. Da macht es sich gut, wenn auch anderen Landesteilen unter die Arme gegriffen wird. Der Augsburger Intendant André Bücker wurde von der „Beförderung“ seines Hauses, die mit erheblichen finanziellen Hilfen verbunden ist, dennoch überrumpelt.

-Haben Sie sich schon überlegt, welche zehn neuen Ensemblemitglieder und zusätzliche Orchestermusiker Sie engagieren?

(Lacht.) Das ist wirklich zu früh, darüber mache ich mir jetzt noch keine Gedanken. Es gibt eine Ankündigung des Ministerpräsidenten. Doch was die für uns genau bedeutet, wie und wann das umgesetzt wird, darüber kann ich jetzt seriös noch keine Aussagen machen. Ich bin von der Nachricht sehr überrascht worden und natürlich hocherfreut. Es ist ein tolles Bekenntnis zum Theater Augsburg, ja zur Kultur insgesamt.

-Der Plan ist nicht unbedingt neu. Schon der damalige Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) sprach über eine Erhebung zum Staatstheater.

Das stimmt. Aber wir haben dieses Projekt nicht aktiv verfolgt. Für die Mitarbeiter ist dieser Rückenwind aus München nun, während der Sanierungsphase, genau der richtige Zeitpunkt, auch psychologisch gesehen. Wir machen schließlich gerade Theater unter erschwerten Bedingungen.

-Glauben Sie, dass Augsburg auch Staatstheater werden würde, wenn die CSU im Herbst nicht um die absolute Mehrheit kämpfen müsste?

Wissen Sie, das sind Spekulationen, die nicht viel für unser Theater bringen. Ich enthalte mich da einer Äußerung.

-Haben Sie denn schon einen Termin in München?

Nein. Uns, dem Theater und der Stadt, liegt natürlich daran, dass jetzt schnell Kontakt zur Staatskanzlei und zum Kultusministerium aufgenommen wird. Es geht einfach darum, dass erörtert wird, wie der Übergang zum Staatstheater genau gestaltet werden kann.

-Diese neue Rechtsform bedeutet auch, dass der Freistaat in kulturelle Belange Augsburgs hineinregieren kann. Fürchten Sie da eine zu große Einflussnahme?

Ich mache mir keine großen Sorgen um Einflussnahmen und ähnliche Dinge. Es gibt schließlich auch andere bayerische Staatstheater, und die zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie gegängelt werden. Ich sehe in diesem Plan eine Wertschätzung für Augsburg.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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