„DER RÄUBER HOTZENPLOTZ UND DIE MONDRAKETE“ BASIERT AUF EINEM POSTUM ENTDECKTEN BÜHNENSTÜCK OTFRIED PREUßLERS

Er geht wieder um

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Neuerscheinung . von johanna Popp.

Es war sicherlich etwas unangenehm für den Thienemann Verlag: Da hatte man den Sensationsfund bereits angekündigt – die Tochter Otfried Preußlers hatte doch tatsächlich ein unveröffentlichtes Theaterstück rund um den überaus beliebten Räuber Hotzenplotz im Nachlass ihres Vaters aufgetan –, da meldete sich eine Dame mit außergewöhnlichem Gedächtnis und behauptete, sie habe besagte Geschichte, in der Kasperl und Seppel den Bösewicht mit einer vermeintlichen Mondrakete hinters Licht führen, bereits irgendwo gelesen. Man forschte nach und tatsächlich: Der Text war in den Sechzigerjahren schon einmal erschienen. Schwamm drüber, beschloss der Verlag und bringt heute, 45 Jahre nach dem dritten und bislang letzten Band, „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ heraus. Aus dem Bühnenstück ihres Vaters hat Susanne Preußler-Bitsch eine Erzählung gestrickt, Illustrator Thorsten Saleina macht mit einer bunten Hommage an den ursprünglichen Hotzenplotz-Zeichner F. J. Tripp den Nostalgie-Trip perfekt.

Gewiss, die „Mondrakete“ ist – sicherlich der Bühnen-Vorlage geschuldet – um einiges kürzer als ihre Vorgänger, und die Handlung verläuft recht linear. Ein bisschen fehlen die absurden Verwicklungen, die in den früheren Bänden vor allem Wachtmeister Dimpfelmoser zur Verzweiflung gebracht haben. Auch ist die Rollenverteilung recht konservativ: Großmutter und Dimpfelmoser bilden den Rahmen, Kasperl, Seppel und Hotzenplotz erleben das Abenteuer. Kein Petrosilius Zwackelmann sorgt für Aufregung, keine Witwe Schlotterbeck starrt in ihre Kristallkugel. Und so sehr man den charakteristischen Stil Preußlers herausliest, entpuppen sich doch einzelne Passagen als fast wortgleiche Anleihen bei früheren Hotzenplotz-Bänden.

All dies ist aber zugleich zu loben an diesem Buch, denn der neue „Hotzenplotz“ ist eben deshalb eine sichere Bank: für Kinder, die sich daran erfreuen, wie die zwei besten Freunde der Welt den gefährlichen Räuber mit den sieben Messern an der Nase herumführen. Für Eltern, die dem Nachwuchs unnachahmlichen Preußler-Spaß bieten wollen, die ersten drei Bände aber bereits ebenso auswendig können wie die Kleinen – die es verlässlich merken, wenn man beim Vorlesen versucht, ein paar Absätze zu überspringen. Und für dem Kindesalter entwachsene Preußler-Fans, die sich einfach wieder einmal zurückversetzen lassen wollen in die Zeit, in der es plausibel erschien, dass man Bösewichte ins Spritzenhaus sperrt, dass der Wachtmeister Dimpfelmoser außer seiner Uniform nichts anzuziehen hat und dass die Großmutter Kürbisse züchtet, die außen nach Schweizerkäse und innen nach Rollmops schmecken. Für diese Zielgruppen also ist der neue „Hotzenplotz“ ein wahres Geschenk, mit dem sich Preußlers 95. Geburtstag, den er im Oktober begangen hätte, gebührend feiern lässt.

Schließlich aber ist die Urheberin dieses Artikels, wenn man Preußler noch fragen könnte, ohnehin mindestens 20 Jahre zu alt, um sich wirklich sachgerecht zur Qualität dieses Werks zu äußern – war für den Schriftsteller selbst doch das Urteil der Kinder die „einzig wirklich kompetente Kritik“, wie er einmal sagte. Bleibt also abzuwarten, wie das neue Abenteuer Kasperls und Seppels in den Kinderzimmern ankommt. Eine Prognose sei gewagt: Die Einfälle der beiden Freunde, wie der Räuber dingfest zu machen ist, werden für viel Spaß beim (Vor-)Lesen sorgen. Und zur Ehrenrettung von Kasperls Großmutter sei noch angemerkt, dass es der rüstigen Frau zum ersten Mal in einem Hotzenplotz-Band erspart bleibt, angesichts des Schurken in Ohnmacht zu fallen. Da muss man sich einfach mit der guten Seele freuen.

Otfried Preußler:

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“. Thienemann Verlag,      Stutt- gart, 64 Seiten; 12,40 Euro.

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