„Da geht die Post ab“

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Wenn man vom Teufel spricht: René Pape als Mefistofele; Arrigo Boitos Oper hat am Samstag in München Premiere. Foto: Wilfried Hösl

Interview zur Premiere am Nationaltheater . René Pape über seine Titelrolle in Boitos „Mefistofele“ und die Sehnsucht nach dem Komödiantischen.

René Pape ist einer der weltweit gefragtesten Bassisten. In München war er zuletzt bei den vergangenen Opernfestspielen als König Marke („Tristan und Isolde“) und Philipp II. („Don Carlo“) zu erleben. Derzeit steht der 1964 geborene Dresdner in der Probenschlussphase von Arrigo Boitos „Mefistofele“ (Regie: Roland Schwab). Die Titelpartie der Oper ist die Traumrolle für viele Bassisten, denn selten ist man als solcher stimmlich und darstellerisch so gefordert und steht derart im Zentrum eines Werks. Am morgigen Samstag ist an der Bayerischen Staatsoper Premiere, Omer Meir Wellber dirigiert.

-Wenn man die Besetzungszettel von „Mefistofele“-Produktionen oder auch Einspielungen betrachtet, liest sich das wie das „Who’s who“ der großen Bassisten des vergangenen Jahrhunderts.

Absolut. Die Oper wird ja leider sehr selten gespielt, auch hier in München ist es das erste Mal. Aber vielleicht können wir mit unserer Produktion ein Signal für andere Häuser setzen – das wäre natürlich eine gute Sache! Die meisten Theater planen vier bis fünf Jahre im Voraus, also wäre das eher auf lange Frist angelegt. Und ob ich das dann mit Mitte 50 noch singen möchte, weiß ich momentan nicht. In jedem Fall ist es jetzt eine große Herausforderung, die mir riesigen Spaß macht. Da bin ich schon froh, ein Bass zu sein und das singen zu können.

- Mefistofele hat drei große „Arien“, die einzeln auch öfter in Konzerten gesungen oder für eine CD aufgenommen werden. Haben Sie da einen persönlichen Höhepunkt?

Derer gibt es so viele, dass ich da keinen herausgreifen möchte. Es ist eine Oper voller Highlights, nicht nur im Falle meiner Rolle. Auch der Chor hat tolle Szenen, genau wie Faust oder Margarethe mit ihrer wunderschönen Arie.

-Dämonische Partien liegen Ihnen anscheinend, auch wenn man auf Ihre Diskografie blickt. Boitos Mefistofele ist ein Rollendebüt für Sie, aber im „Faust“ von Charles Gounod haben Sie mehrfach den Teufel gesungen. Wie unterscheiden sich beide Rollen?

Die beiden Opern sind zu einer ähnlichen Zeit geschrieben. Insofern gibt es Parallelen, aber sprachlich und auch musikalisch krasse Unterschiede. Boito hat den Stoff noch umfangreicher umgesetzt, indem er beispielsweise in den „Faust II“ hineingeht. Und an den Titeln der Opern sieht man bereits, welche Schwerpunkte gesetzt werden. Boito stellt die Figur des Mephisto klar in den Mittelpunkt, er hat wesentlich mehr und auch stimmlich noch Anspruchsvolleres zu singen als Gounods Teufel. Insofern ist das sicher die größere Herausforderung.

-Roland Schwab gilt als ein „musikalischer“ Regisseur. Wie war die Probenarbeit mit ihm?

Sehr locker, auch nicht immer ganz leicht, aber es soll ja fordernd sein. Er war sehr gut vorbereitet und ist eben Opern-, kein Schauspielmann. Das ist schon von der Sprache her ein anderes Arbeiten. Das Team hat gut harmoniert, auch in Hinblick auf den Dirigenten Omer Meir Welber, der so gut wie immer hier war, was bei Kollegen leider nicht immer der Fall ist.

-Können Sie schon verraten, was uns erwartet?

Dadurch, dass es der erste „Mefistofele“ in München ist, gibt es keine Vergleichsmöglichkeiten. So kann keiner sagen: „Aber die alte Inszenierung war viel schöner!“ Das ist natürlich ein Pluspunkt für uns. Aber im Ernst: Es wird viel Action geben, gerade im zweiten Akt geht die Post ab. Es wird also ein Spektakel, und ich glaube, dass es dem Publikum gefallen wird.

-Im Vergleich zu anderen Sängern haben Sie in jüngster Zeit im deutschsprachigen Raum wenig Neuinszenierungen gemacht. War das eine bewusste Entscheidung?

Nein, das ist Zufall. Es hat sich nicht ergeben. Meine letzte Premiere in München war 1995 „Don Giovanni“. In meinem Stammhaus in Berlin mache ich hin und wieder eine Neuproduktion, sonst halt viel an der Met oder in London. Und ab einem gewissen Alter muss man sich entscheiden: Gehe ich weiter auf Entdeckungsreise, erschließe mir ständig neue Werke, oder tingele ich mit drei Partien durch die Welt? Ich versuche, einen Mittelweg zu finden und so mehr Zeit an einem Ort, mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Das darf nicht zu kurz kommen. Wir Sänger sind zwar in gewisser Weise Personen des öffentlichen Lebens aber kein öffentliches Eigentum. Zudem möchte ich verstärkt Liederabende geben. Übrigens kommendes Jahr in München wieder mit einem gemischten Programm.

-Wenn Sie schon vom Entdecken neuer Partien sprechen: Werden Sie Hans Sachs singen?

Nein, so gern ich es machen würde,  aber  das ist Geschichte.

-Und Ihre Wotane? Haben Sie die auf Eis gelegt?

Aktuell ist der Wotan konzertant in meinem Terminkalender. Der „Ring“ wird  ja nun so oft auch nicht inszeniert, und in eine laufende Produktion als Wotan einzusteigen, das möchte ich nicht. Aber ihn mit einem richtig guten Regisseur oder Regisseurin neu zu erarbeiten, da wäre ich sofort dabei.

-Neben all dem nobel Königlichen, Göttlichen oder finster Dämonischen, was man von Ihnen gewohnt ist: Haben Sie da nicht mal Lust auf einen Ausflug ins Humorvolle? Wie wäre es mit dem Ochs im „Rosenkavalier“?

Da ich meiner Meinung nach ein sehr lebensfroher Mensch bin, könnte ich mir das absolut vorstellen. Aber Genaueres kann ich Ihnen noch nicht sagen.

Das Gespräch führte Maximilian Maier.

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