Geht Bairisch auf dem roten Teppich?

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Umfrage . Geht Bairisch auf dem roten Teppich?

Oder ist das so uncool, wie wenn man mit zu vielen Pfunden darüberwalzt? Es gibt nicht viele, die auf dem Partyparkett oder auf dem roten Teppich sprachlich ihre Herkunft vertreten – das neutral-nüchterne Hochdeutsch dominiert. Doch es gibt Prominente, die zu ihrem Dialekt stehen:

Harold Faltermeyer: „Ich kann auch einigermaßen Hochdeutsch reden, aber i red natürlich lieber Bairisch. Weil ich so geboren bin, und wir haben auch in der Schule noch Bairisch reden dürfen. Das Bairische ist ja viel kompakter und kondensierter als die hochdeutsche Sprache, da redst auch in Kürzeln – „da umme“ zum Beispiel. Witzigerweise ist Bairisch dem Englischen ziemlich nah und vom Sound unübertroffen, des fließt so dahin. Im Bairischen brauchst nur ein Kraftwort: „Ja, legst!“ Oder: „Da legst di nieder!“ Auch: „Habe die Ehre!“ Das gibt’s in keiner anderen Sprach’. Das ist einmalig und charmant und das macht Bairisch so sexy. Wenn du die Goschn von der Gruberin anhörst – des ist einfach charmant und immer salonfähig! Bairisch ist wichtig für meine eigene Mitte – zu wissen, wo mein Innerstes ist. In Interviews sprech’ ich ein gepflegtes Bairisch – so wie es in Wien auch den Edeldialekt vom 19. Bezirk gibt, hier ist es das Münchnerisch.“

Monika Baumgartner: „Ich bin sehr selten auf roten Teppichen unterwegs, aber ich finde, dass Bairisch auch durch die Regisseure Helmut Dietl, Franz Xaver Bogner und Marcus H. Rosenmüller eine Sprache geworden ist, die wieder mehr im Kommen ist, die salonfähig wird, die wieder mehr gesprochen wird. Wenn ich in Talkshows bin oder irgendwo in Baden-Württemberg, passe ich mich natürlich an. Das kann ich auch, das habe ich gelernt. Dialekte sind aber etwas Schönes. Einen wunderbaren bairischen Satz, der alles auf den Punkt bringt, gibt’s im Brandner Kaspar: „Der Unterschied zwischen Bayern und Preußen ist der, dass der Preuße den Denkvorgang mitspricht und der Bayer erst das Ergebnis bekannt gibt. Heißt: Im Bairischen geht es sehr, sehr gut, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Deshalb gefallen mir auch so gut kurze bairische Sätze wie ,passt scho‘! Denn da kann man mit zwei oder drei Wörtern einen Zustand beschreiben.“

Wolfgang Fierek: „Egal, ob roter Teppich oder sonst wo: I red eigentlich immer des Münchner Bairisch – oder auch Englisch – es muaß halt nur jeder versteh. Aber sonst red i, wia i red. Und wenn i relaxe, müde oder grantig bin, dann red i immer no a bissl bairischer. Ob sich die Leut am Dialekt stören? Des kummt eigentlich immer auf den Bildungsgrad an. Leute, die sich darüber lustig machen – egal, ob es jetzt über das Bairische ist oder das Arabische – des is eigentlich immer a traurige Sach.“

Ilse Neubauer: „Ich denke, dass das Münchnerische absolut salonfähig ist, aber das Bairische in Gesamt-Deutschland immer noch abqualifiziert wird. Wenn ich in Berlin bin, und ich sag, ich bin eine Münchnerin, antworten die mir: ,Ach nee; Sie sprechen ja gar kein Bairisch!‘ Damit sagen sie indirekt, dass die Bayern kein Hochdeutsch sprechen könnten. Andererseits sind die Bayern auch recht vertrackt und hintergründig, weil nix tun’s lieber, als die Preißn tratzen. Aber wenn auf dem roten Teppich eine wunderbare Diva wie die Hannelore Elsner aus Spaß Bairisch spricht, wird das akzeptiert, weil sie ja hochdeutsch spielt. Ich sprech Bairisch, wenn ich mich bei einer Rolle, die sehr schwer ist, verirre – dann übersetz ich mir die Szene erst einmal auf Bairisch, dann hab ich es sofort und dann kann es gar nicht mehr so falsch werden, wie es zuvor auf Hochdeutsch war. Meine Lieblingswörter? ,Griabig’ find i schön, und was ma gar nicht mehr hört: ,Ja, verreck!’ (Ich könnt’ des nicht übersetzen).“

Pfarrer Rainer M. Schießler: „Bairisch ist nicht nur salonfähig! Für mich ist es ein Qualitätsmerkmal! Es ist nicht einfach nur der bairische Dialekt, der heraushebt, es ist die maulverbundene Lebensart. Denken wir an eine derart herausragende Sportlerin wie Laura Dahlmeier, die auf ihrem Gewehr ihr Lebensmotto stehen hat: Scheiß da nix, dann feit da nix! So begründet sich u. a. auch ihr Erfolg! Manche Dinge gibt’s nur auf Bairisch, wie: „Bevor i mi aufreg, is ma wurscht!“ Ich bin immer sehr berührt, wenn man Interviews mit großen Persönlichkeiten aus allen Genres hört und das Bairische erkennt. Wir sind einfach International!“

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