DIESE FERNSEHSERIEN HABEN VORBILDFUNKTION UND WURDEN MIT DEM RAUCHFREI-SIEGEL AUSGEZEICHNET

Es geht auch ohne Qualm

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Keine Zigarettenbürscherl: die Rosenheim-Cops (Igor Jeftic und Joseph Hannesschläger, re.) Fotos: ZDF/DPA

von Astrid Kistner. An ihre letzten Dreharbeiten mit Zigarette erinnert sich Schauspielerin Lilian Klebow mit Grauen: „Die Rauchszene musste etliche Male wiederholt werden.

Am Ende war mir kotzübel.“ Umso glücklicher ist die zweifache Mutter, dass ihr das Qualmen in der ZDF-Serie „Soko Wien“ erspart bleibt. Für die sportliche Inspektorin Penny Lanz und ihr Team sind Glimmstängel tabu. Wie einige andere Fernsehformate verzichtet die Krimireihe bewusst auf Zigaretten. Eine Entscheidung, die vom Aktionsbündnis Nichtrauchen und der Deutschen Krebshilfe jüngst mit dem Rauchfrei-Siegel ausgezeichnet wurde.

Jedes Jahr sterben in Deutschland immer noch 121 000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Rauchen begünstigt nachweislich das Entstehen von mindestens zehn Krebsarten und schadet dem Herz-Kreislauf-System. Trotzdem wird hierzulande im Fernsehen häufiger gequalmt als im Programm anderer Nationen: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass in 45 Prozent aller in Deutschland gezeigten Filme und Sendungen blauer Dunst aufsteigt. Dabei belegen zahlreiche internationale Studien, dass qualmende Charaktere besonders Kinder und Jugendliche zum Nachmachen verführen.

„Nach wie vor gibt es in Deutschland leider eine Vielzahl von TV- und Filmproduktionen, in denen trotz des gesetzlichen Werbeverbotes Schleichwerbung für Zigaretten gemacht wird“, prangert Uwe Prümel-Philippsen an, ehemaliger Sprecher des Aktionsbündnisses Nichtrauchen. Eine Entwicklung, die deutsche Erfolgsserien wie „Die Rosenheim-Cops“ (ZDF), „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (RTL), „Wilsberg“ (ZDF) und „In aller Freundschaft“ (ARD) nicht unterstützen wollen. Sie sind einige der Preisträger, die seit 2003 mit dem Rauchfrei-Siegel ausgezeichnet wurden und auf ihre Vorbildfunktion zu recht stolz sind.

„Wir wollen dazu beitragen, das Nichtrauchen als gesellschaftlichen Normalzustand darzustellen“, sagen die Macher der beliebten Krankenhausserie „In aller Freundschaft“. Gerade im Umfeld von Ärzten und Krankenschwestern erwarte man Vorbilder für einen gesunden Lebensstil. Die Sachsenklinik ist sich dieser Verantwortung bewusst.

Und auch, wenn bei den „Rosenheim-Cops“ noch das eine oder andere Weißbier fließt – gepafft wird schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Schließlich wissen die Schantis aus Oberbayern, dass nicht wenige Kinder und Jugendliche die Kriminalfälle im ZDF begeistert verfolgen.

Bei der Deutschen Krebshilfe hofft man auf noch mehr Nachahmer in der Fernsehlandschaft. Rauchen dürfe angesichts der dramatischen gesundheitlichen Konsequenzen nicht positiv besetzt werden. So erklärt sich auch die Ausnahme, die es bei der Verleihung des Siegels gibt. Da heißt es: Wenn aus dramaturgischen Gründen dringend notwendig, sollten Raucher als Kriminelle, Bösewichte und Verlierertypen dargestellt werden.

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