CHRISTIAN KOHLUND MISCHT AB HEUTE IN DER FIGUR DES HEIMKEHRERS LUDWIG GRUBER DIE SERIE „DER BERGDOKTOR“ AUF

Der geheimnisvolle Onkel

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Von Stefanie Thyssen. Ein Großer hat sich verabschiedet.

Robert Atzorn war – in der Rolle des „Nord Nord Mord“-Kommmissars Theo Clüver – am Montag zum letzten Mal im Fernsehen zu sehen. Er, der Millionen Zuschauer über Jahrzehnte begeistert und berührt hat, mag nicht mehr, hängt seinen Beruf, sein Leben als Schauspieler an den Nagel. Christian Kohlund hat der Entschluss seines „hochgeschätzten“ Kollegen nicht unberührt gelassen. „Robert Atzorn und ich haben fast gleichzeitig am Schauspielhaus in Zürich begonnen“, erinnert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Und natürlich habe Atzorn recht – es gebe wichtigere Dinge als die Arbeit vor der Kamera. Aber: „Ich finde es schade, dass er aufhört. Gerade in unserer Altersgruppe sind nicht mehr viele Kollegen geblieben von diesem Format, von dieser Qualität.“

Atzorn ist 72 Jahre alt, Kohlund 67. Und wahrscheinlich macht sich der etwas Jüngere auch deswegen so viele Gedanken über den Entschluss des etwas Älteren, weil ihm – gerade im Moment – so ein Abschied von der Arbeit unendlich weit weg erscheint. Für den gebürtigen Baseler läuft es nämlich so gut wie lange nicht. Nicht nur, dass er ab heute eine feste Rolle in der ZDF-Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ spielt. Auch der „Zürich-Krimi“ in der ARD geht mit ihm als Hauptdarsteller weiter. Beides Rollen, die Kohlund fordern, die er liebt, in denen er (endlich mal wieder!) zeigen kann, was er kann.

Er würde das selbst nie so direkt formulieren, schon aus Bescheidenheit. Und weil es ihm fernliegt, seine anderen großen Erfolge dadurch kleinzureden. „Das Traumhotel“ zum Beispiel. Zehn Jahre lang gab er in der ARD-Reihe den Hoteldirektor Markus Winter. Millionen Zuschauer träumten sich mit ihm in schöne, fremde Welten. „Wir haben Geschichten erzählt, die die Menschen mochten“, sagt Kohlund. Leichte Geschichten, meint er. Solche, die gern belächelt werden. „Aber auch diese Art von Unterhaltung hat ihre Berechtigung – auch wenn sie für mich als Schauspieler nicht immer abendfüllend war.“

Im „Bergdoktor“ spielt er nun eine ganz andere Figur – den geheimnisvollen Onkel der Brüder Hans (Heiko Ruprecht) und Martin Gruber (Hans Sigl), der nach 25 Jahren überraschend nach Ellmau zurückkehrt. „Mir gefällt, dass meine Figur eine dramaturgische Funktion hat“, sagt Kohlund. „Dieser Onkel Ludwig kommt aus der Versenkung und mischt durch seine Präsenz alles auf.“ Man wisse nicht: Was ist das für ein Typ? Hat er etwas mit dem Tod seines Bruders, dem Vater des Bergdoktors, zu tun? Warum wird jeder nervös, der ihn sieht?

„Das ist eine klasse Rolle für mich“, sagt Kohlund, der für die Kollegen am Set nur Lob übrig hat. Hans Sigl zum Beispiel. „Mit dem zu arbeiten ist eine Männerangelegenheit“, lacht er: „Das macht einfach Spaß.“ Für sieben Folgen ist er zunächst dabei. „Einige eingefleischte ,Bergdoktor‘-Fans würden mich wahrscheinlich gern zum Teufel jagen, weil ich alles durcheinanderbringe. Aber genau das hat mir gefallen an der Rolle.“

Mal nicht der charmante Typ, der in unendlich vielen Filmen mit tiefen Blicken und sonorer Stimme manches Frauenherz erobert hat – das ist dem Schauspieler wichtig. „Nehmen Sie den Borchert aus dem ,Zürich-Krimi‘. Der ist meine Passion“, sagt er. Thomas Borchert, so heißt der Anwalt in der ARD-Reihe. „Ein Mann, der gegen Ende seines Lebens versucht, seine idealistische Einstellung zurückzugewinnen. Er, der sich hat korrumpieren lassen, will am Ende wirklich gerecht und nicht mehr im Graubereich der Legalität unterwegs sein. Der hat nichts mehr zu verlieren, das macht frei. Und Borchert nimmt sich diese Freiheit und macht was draus.“

Im Alter also noch einmal durchstarten?! „Ja, schon“, schmunzelt Kohlund: „Dass sich die Dinge auch für mich gerade so gut entwickeln, hat auch damit zu tun, was ich die vergangenen Jahre am Theater gespielt habe.“ Tatsächlich finden sich da große Namen wie Shakespeare, Kleist oder Brecht. Zurzeit steht er in Hamburg mit einem amerikanischen Stück („Netzwelt“) auf der Bühne. „Da spiele ich einen Pädophilen, der sich eine virtuelle Welt schafft, in der er so sein kann, wie er ist. Das ist hoch spannend und komplex und vielleicht überraschend, dass ich es spiele“, sagt Kohlund. „Aber ich habe immer schon bewusst gegen das angespielt, wofür man mich kannte oder wofür ich eine gewisse Popularität erlangt habe.“

Stichwort „Traumhotel“. Oder „Schwarzwaldklinik“. Oder „Liebe, Lügen, Leidenschaften“. Kurzum: die heile Welt. „Eigentlich ist es ganz einfach“, meint Kohlund am Ende des Gesprächs. „Die Vielfalt, das ist es, was an diesem Beruf Spaß macht.“

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