Gegen alle Regeln

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Der Fall ist klar – nur nicht für die ehrgeizige Polizistin Sanela Beara (Alina Levshin). Sie sucht den wahren Täter und nimmt es dabei mit den Vorschriften nicht so genau. Foto: ZDF

Krimi . ZDF zeigt „Das Dorf der Mörder“ mit Alina Levshin als engagierte Polizistin.

Von Carsten Rave

Pekaris mögen Insekten, kleine Wirbeltiere, auch Aas gehört zu ihrer Nahrung. Für die aus Brasilien stammende Schweineart ist auch die Leiche des Zoobesuchers und ehemaligen Landmaschinenvertreters Leyendecker ein Leckerbissen. Der ist zuerst betäubt und dann bei lebendigem Leib den Pekaris zum Fraß vorgeworfen worden. Die Polizei muss den Pekaris die Bäuche aufschneiden, um den Toten zu identifizieren.

Das ZDF-Krimidrama mit dem Titel „Das Dorf der Mörder“, zu sehen an diesem Montag um 20.15 Uhr, ist Stoff für Hartgesottene – und dann auch für Zuschauer mit langem Atem, denn der Fall scheint schnell geklärt. Die Tierpflegerin Charlie Rubin (Anna Loos) hat schnell ein Geständnis abgelegt, aber erst nachdem sie der Polizistin Sanela Beara (Alina Levshin) mit einer Schaufel niedergeschlagen hat.

Wäre da nicht dieser typische Instinkt, den Fernsehpolizisten gemeinhin an den Tag legen, um in präzise eineinhalb Stunden eine Geschichte ad absurdum zu führen und das Gegenteil von dem zu beweisen, was offensichtlich zu sein scheint. Denn Polizistin Beara glaubt nicht daran, dass Rubin die Tat begangen hat. Warum, das kann sie sich und dem Publikum nicht so recht erklären, aber beginnt zu ermitteln. Und gelangt dabei ins brandenburgische Jüterbog.

Dort haben sich bereits rund 20 Jahre zuvor unerklärliche Unglücksfälle ereignet. Männer sterben, die alle etwas mit Charlie Rubin und ihrer jüngeren Schwester Cara (Anna Brüggemann) zu tun haben – und natürlich mit deren Mutter. Nur was? Polizistin Beara widersetzt sich allen polizeilichen Regeln, um tatsächlich den wahren Täter ausfindig zu machen.

Wie auch bei den drei vom ZDF verfilmten Joachim-Vernau-Krimis („Das Kindermädchen“, „Die letzte Instanz“, „Der Mann ohne SAchatten“) stammt die Buchvorlage von Autorin Elisabeth Herrmann. Und wie auch bei Vernau (der hier als Figur nicht in Erscheinung tritt) spielt das Geschehen in und um Berlin und führt tief in die Vergangenheit zurück. Doch die Reise durch die Jahrzehnte, auf der eine junge Streifenpolizistin eine Karriere als Kommissarin aufbauen will, ruckelt, wirkt nicht harmonisch und nur bruchstückhaft zu Ende erzählt – vielleicht sollten Drehbuch und Regie doch besser in verschiedenen Händen liegen?

„Ein Krimi kann immer nur so gut sein, wie die Menschen, die darin agieren“, sagte Autor und Regisseur Niki Stein: „Nichts ist langweiliger als Kommissare, von denen man vorher schon weiß, dass sie den Fall lösen werden.“ Allerdings weiß das Publikum ausgerechnet in seinem Film von der ersten Minute an, dass nur Sanela Beara, ein ehemaliges Flüchtlingskind aus Bosnien, den Fall lösen wird. Dem kauzigen Kommissar Gehring, dem Jürgen Tarrach eine ordentliche Ladung Humor verpasst, bleibt nur die Statistenrolle.

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