KOMIKER WIGALD BONING IST DURCHS LAND GEREIST, UM HERAUSZUFINDEN, WARUM DIE DEUTSCHEN SO FUßBALLNARRISCH SIND

Geballte Leidenschaft

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Das Runde muss ins Eckige: Wigald Boning erkundet die Faszination Fußball.

Beim Fußball könne jeder mitreden – warum dann nicht auch er, kommentiert Wigald Boning lachend die Frage, warum er die Sendung „Deutschland – Deine Fußballseele“ moderieren wird, die am Montag um 20.15 Uhr auf dem History Channel und am 3. Juni kostenlos auf Sky Sport News zu sehen ist.

Für die Doku ist der 51-Jährige durch Deutschland gereist, um herauszufinden, was die Fußballliebe der Deutschen ausmacht. Die Sendung ist Teil der Reihe „History of Football“ – ein globales Event, das in mehr als 160 Ländern vom 28. Mai bis zum 10. Juni rund um die Uhr Dokus und Filme zum Thema Fußball zeigt.

-Welche Rolle spielt Fußball in Ihrem Leben?

Das wechselt. Es gab Zeiten, in denen habe ich mich für Fußball weniger interessiert – etwa zwischen 15 und 25.

-Lassen Sie mich raten, welche Themen da wichtiger waren...

Jazz! Ausschließlich Jazz! (Grinst.) Aber Fußball war sehr wichtig in meiner Kindheit. Und zwischenzeitlich immer mal wieder. Besonders, als ich selbst Vater wurde. Meine Liebe zu Werder Bremen begleitet mich seit meinem zehnten Lebensjahr. Seitdem verfolge ich das und leide mit – ob ich will oder nicht.

-Wieso hält sich Fußball in Deutschland als der Volkssport Nummer 1? Warum nicht Tennis?

Das zählt zu den interessanten Fragen, die wir in der Sendung aufzuklären versuchen. Erst einmal ist es ein Spiel, das man leicht versteht. Und die Anzahl der Tore ist auch nicht so groß wie beispielsweise beim Basketball die der Körbe.

-Das ist beim Handball aber ähnlich...

Stimmt. Das allein können also nicht die Gründe sein. Ich glaube, dass es auch daran liegt, dass Fußball mittlerweile so in der Zeitgeschichte verankert ist. Deutschland ohne die WM 1954 hätte sich eventuell doch etwas anders entwickelt. Mittlerweile kann man kaum mehr sagen: „Ach, Fußball interessiert mich nicht“ – weil man sich damit aus dem öffentlichen Diskurs komplett ausschließt.

-Was sind für Sie besondere Fußballmomente gewesen?

Das 6:2 von Werder Bremen gegen Spartak Moskau 1987.

-Und auf Deutschland bezogen?

Besondere Fußballmomente waren hier die entscheidenden Treffer in den Endspielen, in denen Deutschland Weltmeister wurde. Dann das Sommermärchen 2006, das den Blick auf Deutschland international verändert hat.

-Das heißt, der Fußball ist völkerverbindend?

Ja, würde ich schon sagen. Obwohl es ja sogar einmal einen Fußballkrieg gegeben hat – im Jahr 1969 zwischen Honduras und El Salvador. Doch das ist gottlob eine spektakuläre Ausnahme.

-Und letztlich kann man doch beim Fußballschauen auch Aggressionen herauslassen, die man sonst möglicherweise anderweitig ausleben würde.

Genau! Und Fußballschauen verschafft ein Gemeinschaftserlebnis. Fußball kann etwa eine Stadt zusammenbringen. Ich weiß das aus Bremen: Finanziell fehlt es an alle Ecken und Enden, aber Werder sorgt für Zusammenhalt. Oder nehmen wir die Champions League – es gibt ja EU-Verächter, aber der Sinn der Champions League wird nicht infrage gestellt.

-Weil wir beim Fußball mit Leidenschaft dabei sind und das Hirn ausschalten?

Vielleicht. Deshalb kann man ja auch nicht einfach seinen Lieblingsverein ändern. Ich lebe so lange in Bayern, aber das mit dem Fußballverein ist solch eine frühkindliche Prägung, die wird man nicht los. Man kann ja nicht sagen: Ich wohne jetzt in München, also werde ich FC-Bayern-Fan.

-Tun aber viele....

Ja, aber das sind welche, die haben da etwas missverstanden. (Lacht.) Dazu wäre ich nicht fähig. Meine Heimatverbundenheit, so ich sie denn habe, äußert sich unter anderem darin.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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