Furioses Finale

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Ein Kommissar, der ein Bier trinkt und über den Sinn des Lebens philosophiert, während Wasser durch seine Wohnung fließt – dieser letzte Leipziger „Tatort“ (ARD) mit Simone Thomalla und Martin Wuttke beginnt reichlich surreal. Und hat Andreas Keppler die Zuschauer nicht sogar direkt angesprochen?

Nun, der Wasserschaden ist real, und auch alles andere, das hier in den nächsten eineinhalb Stunden passiert – obwohl es zeitweise wirkt wie ein einziger böser Traum.

Sascha Arango, der schon für einige Kieler „Tatorte“ die Drehbücher schrieb – zum Beispiel den grandiosen „Borowski und der stille Gast“ –, liefert mit „Niedere Instinkte“ auch dem Leipziger Duo einen Stoff, der jegliche „Wo-waren-Sie-gestern?“-Routine und das übliche „Sie-alle-hätten-ein-Motiv“-Einerlei hinter sich lässt. Mehr noch, es ist der beste sächsische „Tatort“ seit langem.

Arangos exaltiertes Personal und Claudia Gardes suggestiver Erzählstil erzeugen einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann (Kamera: Carsten Thiele). Zu fragen, warum der Lehrer das fremde Mädchen just in dem Moment ins Haus bringt, wenn es voller Gäste ist, oder warum am Ende nicht einmal der Spürhund das Verlies im Keller findet, erübrigt sich da. Man ist berührt und befremdet zugleich von dem hier vor allem im Fokus stehenden Paar (beeindruckend: Susanne Wolff und Jens Albinus), das seine brüchige Beziehung nur durch ein geraubtes Kind zu retten glaubt.

Schonungslos leuchten Buch und Regie aus, wie verzweifelt eine Täterin um die Liebe des Opfers buhlt, zeigen, wie die so akribisch geplante Aktion in Chaos und (Selbst-)Zerstörung endet. Auf der anderen Seite zeigt „Niedere Instinkte“ in einfachen, starken Bildern die extreme Frömmigkeit der verwaisten Eltern, ihr Gottvertrauen, das auch die Polizisten nicht kalt lässt.

An einer solchen Geschichte wachsen die Hauptdarsteller. Schon lange nicht mehr hat man Wuttkes verbitterten, sarkastischen Keppler so gut gesehen wie hier, sogar die stets viel gescholtene Simone Thomalla als Kommissarin Eva Saalfeld liefert eine respektable Leistung ab. Dass es zwischen den beiden (Ex-)Partnern ein privates Happy End geben soll, ist zwar vielleicht des Guten zuviel, dennoch sorgt der skurril-theatralische Rosenkrieg für den notwendigen Kontrast zum eigentlichen Fall. Ein furioses Finale! Rudolf Ogiermann

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