DIE STIFTUNG PREUßISCHER KULTURBESITZ GIBT EINEN ERSTEN EINBLICK IN LENI RIEFENSTAHLS NACHLASS

Fundgrube für die Filmgeschichte

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von nada weigelt. Mit Handschuhen nimmt Ludger Derenthal vorsichtig eine grün geblümte Schachtel aus dem Karton und blättert behutsam durch die Fotos.

„Frau Riefenstahl hat offenbar alles gesammelt, was es zu ihrem Leben gibt“, sagt der Leiter des Museums für Fotografie in Berlin, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört. „Unser Ziel ist, das gesamte Material zu erschließen und für die Forschung zugänglich zu machen.“

Das ist eine Herausforderung. Die interdisziplinäre Forschung wird Jahre dauern; noch werden Geldgeber für das Projekt gesucht. Eine Herausforderung auch, weil das Haus am Starnberger See der wegen ihrer Nähe zum NS-Regime umstrittenen Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl voller Erinnerungsstücke war – Filmrollen, Fotos, Briefe, Manuskripte, Akten. Wie berichtet, hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Nachlass geschenkt bekommen. Jetzt gab sie erstmals einen Einblick in die rund 700 Kisten, die aus Bayern in die Berliner Depots abtransportiert wurden.

Was genau die Kisten bergen, ist erst in Ansätzen zu ahnen. „Das ist wie in einem Restaurant, wo man vom Koch einen Gruß aus der Küche bekommt, aber der Koch selber noch nicht weiß, was er als Menü servieren wird“, sagt Derenthal. Die Bestände reichen bis in die Zwanzigerjahre zurück und scheinen vor allem für die Nachkriegszeit komplett zu sein. Ob das Material weitere Einblicke in Riefenstahls Verhältnis zu Größen des NS-Staats gibt, ist offen. Die Regisseurin war durch Propagandafilme berühmt geworden, hatte sich selbst aber stets unpolitisch gegeben. „So wie wir sie kennen: Wenn sie einen Brief von Hitler hatte, dann hat sie den nicht weggeworfen“, sagt Derenthal. Besonders gut dokumentiert ist etwa die Entstehung von Riefenstahls „Olympia“-Film, dessen Premiere in diesen Tagen 80 Jahre her ist. So gibt es die Schublade 309 in einem riesigen Archivschrank mit der Aufschrift: „Olympia. Super Originalfotos, bitte nicht anfassen!“

Von den vielen an dem Projekt beteiligten Kameraleuten und Fotografen finden sich detaillierte Kontaktabzüge mit Namen und Notizen, dazu ein Exposé von Willy Zielke zu einem Prolog, Programmhefte, Freigabebescheinigungen und natürlich Filmrollen in verschiedenen technischen Standards. „Damit wird man die Entstehung des ,Olympia‘-Films sehr viel genauer untersuchen können“, hofft der Museumschef.

Riefenstahl war 2003 kurz nach ihrem 101. Geburtstag in ihrem Haus in Pöcking am Starnberger See gestorben. Ihr 40 Jahre jüngerer Ehe- und Kameramann Horst Kettner hatte ihre Sammlung zunächst bewahrt. Nach dessen Tod 2016 ging sie an die Alleinerbin und langjährige Sekretärin Gisela Jahn, die sie der Stiftung schenkte. Riefenstahl habe sich gewünscht, den Nachlass in der für sie so wichtigen Stadt Berlin zu sehen, erklärte Jahn.

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