JUNGREGISSEUR DAVIDE GRISOLIA UND DIE FORTSETZUNG DES „MACHO MAN“-FILMS MIT RENÉ WELLER

Früher Volltreffer

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Davide Grisolia und die Helden von 1985. D.  Karmann/ dpa
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Davide Grisolia und die Helden von 1985. D.  Karmann/ dpa

Davide Grisolia schaut sich einige Filmszenen an, die er mit der Videofunktion seiner Spiegelreflexkamera aufgenommen hat.

Zuhause am Computer schneidet der 24-Jährige aus Mittelfranken die Sequenzen zusammen und mischt sie mit Musik ab. Es sieht nicht so aus, als würde hier gerade Filmgeschichte geschrieben. Doch das täuscht: Grisolia, gerade erst mit dem Filmstudium fertig geworden, hat nach 32 Jahren den ersten Actionfilm fürs Kino gedreht, der wieder in Nürnberg spielt. Am 27. September ist Premiere von „Macho Man 2“, die Fortsetzung des 1985 erschienen Trash-Films mit Bodyguard Peter Althof, Box-Legende René Weller und dem ehemaligen Karate-Meister Michael Messing in den Hauptrollen.

Besonders ist die neue Produktion aber auch deshalb, weil es in Deutschland eher selten vorkommt, dass ein frischgebackener Regisseur direkt nach dem Studium den Auftrag erhält, die Regie für einen Kinofilm zu übernehmen und gleich auch das Drehbuch zu schreiben. Für den Filmfan Grisolia aus Roßtal im Landkreis Fürth ging damit ein Traum in Erfüllung: „Ich wurde in der Schule gemobbt und wurde als Verrückter abgestempelt, weil ich immer mit meiner Kamera unterwegs war und Regisseur werden wollte“, erzählt der 24-Jährige. Aufgeben kam für ihn nicht infrage. 2010 gewann er mit einem seiner Filme den Publikumspreis des Mittelfränkischen Jugendfilmfestivals. Als Schüler drehte er für Peter Althofs Kampfsportschule einen kurzen Werbefilm – eine Begegnung, die sich 2015 auszahlen sollte: „Macho Man“-Produzent und Schwarzenegger-Bodyguard Althof war von Grisolias filmischen Fortschritten so begeistert, dass er ihn spontan als Regisseur für den zweiten Teil engagierte.

„Macho Man – Harte Fäuste“ war 1985 als deutsche Antwort auf die erfolgreichen Rocky-Filme gedacht. Doch der fränkische Streifen floppte an den Kinokassen. Just als René Weller 1999 wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, tauchte „Macho Man“ auf einer Videokassette wieder auf. In dem Film kämpft Weller ausgerechnet gegen eine Horde irrer Drogendealer und verjagt sie aus Nürnberg. „Ein Kinobetreiber fand das so absurd, dass er den Film ins Programm aufnahm und damit einen Volltreffer landete – die Vorstellungen waren in kürzester Zeit ausverkauft“, sagt Grisolia. Seitdem sorgt „Macho Man“ in Nürnberg für Furore und Lacher. Hunderte von Fans versammeln sich jedes Jahr beim „SommerNachtFilmFestival“, um den Streifen zu zelebrieren.

In der bei ihnen lang ersehnten Fortsetzung, die zunächst nur in Nürnberg zu sehen ist, muss das Trio Althof, Weller, Messing einer Organspenden-Mafia das Handwerk legen. Mit dabei sind „Playboy“-Girl Diana Herold, Franken-„Tatort“-Darsteller Andreas Leopold Schadt und in einer Nebenrolle Ex-Boxer Axel Schulz. „Als ich ans Filmset von „Macho Man 2“ gekommen bin, wurde ich für den Kabelträger gehalten und sollte für die Schauspieler Mineralwasser holen“, erinnert sich Grisolia. Für ihn sei es am schwierigsten gewesen, ganz gezielt Mieses zu produzieren. So ließ er Althof und Weller improvisieren, wenn diese wieder den Text vergessen hatten. Und Schulz, bekannt für seine eher hölzerne Aussprache, musste ein Gedicht aufsagen. Roland Beck

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