Fröhlich-unkonventionelle Gastgeber

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Mucksmäuschenstill lauscht das mexikanische Publikum dem Gärtnerplatz-Orchester im Innenhof des Palacio de Gobierno, obwohl in den Pausen schon mal der Schlager „Tequila“ aus den Boxen erklingen darf. Foto: GärtnerplatzTheater

Mexiko-Tournee: Das Orchester des Münchner Gärtnerplatztheaters begeistert in Morelia. Von Maximilian Maier.

Nach einer rauschenden Feier im Anschluss an das Konzert im Teatro Diana in Guadalajara geht es für das Orchester des Gärtnerplatztheater auf seiner Mexiko-Tournee weiter nach Morelia. Überall wo sie hinkommen, spürt man sofort die Begeisterung des Publikums. Die Leute gehen ganz offen auf die Musiker zu, sind wissbegierig, dankbar für das Erlebte und laden ein. Einfach angenehm unkonventionell, genau wie in der Pause eines Konzertes schon mal der Evergreen „Tequila“ aus den Lautsprechern dröhnen darf. Gleich darauf verfolgen die Mexikaner wieder aufmerksam und mucksmäuschenstill die klassische Musik, da gibt es keine deutsch-dogmatische Trennung.

Das Unkonventionelle birgt für ein reisendes Orchester natürlich auch seine Tücken. In Morelia steuert der Bus statt der ausgemachten Unterkunft direkt in der Altstadt ein Hotel mitten in der Pampas an, ohne jegliche Absprache im Vorfeld. Erst am kommenden Tag können zwei Hotels im Zentrum bezogen werden. Keine einfache Situation für die Musiker, die aber darauf bemerkenswert entspannt und kooperativ reagieren. Das ist bei Orchestern dieser Qualität sicher nicht üblich. Aber es ist spürbar, dass alle wirklich Lust auf diese Reise haben und den Menschen mit ihrer Musik Freude machen wollen. Das Konzert im Rahmen des Festival de Musica in Morelia findet unter freiem Himmel statt.

Die reizende Altstadt mit ihren vielen Häusern aus der Kolonialzeit hat sich dafür herausgeputzt. Ein großes Feuerwerk mit Musik und Lichtprojektionen auf die Kathedrale ist ein Höhepunkt des Festes. Der Innenhof des Palacio de Gobierno aus dem 18. Jahrhundert bietet ein ungemein stimmungsvolles Ambiente für das Konzert mit Haydns Symphonie Nr. 87, Mozarts 39. sowie dessen Hornkonzert Nr. 3. Alle Musiker versprühen Lust am Musizieren, agieren sehr kommunikativ – untereinander und gerade auch mit ihrem Chefdirigenten Marco Comin. Das kommt an beim Publikum; nicht nur im schön beleuchteten, mit Wandgemälden aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bemalten Innenhof, sondern auch an den mexikanischen Fernsehbildschirmen.

Sistema Michoacana überträgt nämlich live. Gewusst hat es vorher niemand, aber in diesem Punkt zeigen sich Orchester und Verantwortliche wieder total spontan. Das Konzert ist ein großer Erfolg, auch für den Solisten Christoph Eß, der mit schönem Ton und virtuosem Hornspiel beeindruckt. Auf der Fahrt nach Mexiko City gibt es noch einen Stopp bei den gewaltigen Pyramiden von Teotihuacán, bevor es für das Gärtnerplatzorchester auf seiner ersten alleinigen Tournee gilt, die Hauptstadt gleichfalls zu erobern.

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