FÜR EINEN BEITRAG AUS DER REIHE „37 GRAD“ BEGLEITETE DAS ZDF EINEN BUNDESWEHRSOLDATEN AUS BAD REICHENHALL NACH MALI

Der Friedensstifter

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„Man spürt eine permanente, latente Bedrohung“: Oberleutnant Matthias Lehna (27) aus Bad Reichenhall war mit seinem Gebirgsjägerzug mehrere Monate im westafrikanischen Mali im Einsatz. Foto: ZDF

Von Cornelia Wystrichowski und Astrid Kistner. Defekte Gewehre, kaputte Panzer, Hubschrauber, die nicht fliegen, U-Boote, die im Hafen bleiben müssen.

Dazu Schlagzeilen über Rechtsradikalismus in der Truppe und Fälle von extremem Mobbing – die Bundeswehr hatte in der Vergangenheit nicht die beste Presse. Was also bewegt junge Menschen in diesen Zeiten noch dazu, Soldat zu werden und Deutschland zu dienen? Eine Frage, der die Fernsehjournalisten Jörg Stolpe und Daniel Moj in ihrer „37 Grad“-Reportage heute um 22.15 Uhr im ZDF nachgehen. Ein Jahr lang haben sie den Offizier Matthias Lehna bei seinem ersten Auslandseinsatz im afrikanischen Mali mit der Kamera begleitet.

Die Dreharbeiten zu „Einsatz im Wüstensand“ starteten vor etwa einem Jahr während der Vorbereitung eines Zuges von Gebirgsjägern aus Bad Reichenhall (Landkreis Berchtesgadener Land). Als Oberleutnant bereitet Matthias Lehna sein Team auf den Einsatz in Afrika vor – auf dem Truppenübungsplatz wird der Ernstfall geprobt, die Explosion eines Sprengkörpers und die Rettung von Verletzten mit dem Hubschrauber.

Im September reist der 27-Jährige dann von Köln aus mit einem Airbus der Bundeswehr nach Mali, als Teil der UN-Mission „Minusma“ übernimmt er mit seinem Team aus 40 Männern und Frauen für vier Monate die Aufgaben einer schnellen Eingreiftruppe. „Das wird die bisher größte Herausforderung in meiner Laufbahn“, sagt der junge Offizier: „Hauptsache, meine Jungs kommen alle wieder heil zurück.“ Der Norden Malis gilt als Drehkreuz des Drogenschmuggels von Südamerika Richtung Europa, in der gesamten Sahelzone herrscht erhöhte Gefahr für terroristische Anschläge und Entführungen. Ziel der UN-Stabilisierungsmission ist es, den Norden des afrikanischen Staates zu befrieden – mehr als 50 Nationen beteiligen sich an dem Einsatz, das deutsche Kontingent wurde vor wenigen Wochen auf bis zu 1100 Soldaten aufgestockt.

Im Land, bei bis zu 40 Grad Wüstenhitze, spürt Matthias Lehna eine „permanente, latente Bedrohung“, die ihm unter die Haut geht. Das Feldlager „Camp Castor“ in der malischen Stadt Gao dürfen alle Beteiligten nur mit Schutzweste und Helm verlassen, immer wieder haben es die UN-Truppen mit feindlichen Kräften zu tun, stoßen auf improvisierte Sprengfallen.

Kurz vor der Abreise nach Afrika hat Matthias Lehna noch geheiratet – für seine schwangere Frau Clara, mit der er in München lebt, ist es keine leichte Zeit. „Ich fürchte mich davor, dass Matthias etwas erlebt oder sieht, mit dem er psychisch nicht fertig wird“, sagt sie im Film. Und auch für den Soldaten ist es nicht leicht, während der Schwangerschaft von seiner jungen Frau getrennt zu sein: „Natürlich macht man sich Sorgen. Es ist ein furchtbares Gefühl, dass ich sie nicht unterstützen kann.“

Anfang dieses Jahres kehrte Lehna zurück nach München. Nach Monaten im Ausland, in denen er sich mehr als einmal die Frage nach dem Sinn dieser Mission gestellt hat. Die Reportage zeigt, wie sich die Bundeswehr in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einer reinen Präsenzarmee hin zu einer Truppe verändert hat, die Deutschland fernab der Heimat verteidigen soll.

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