„BESUCH AUS TRALIEN“ HATTE AN DER MÜNCHNER SCHAUBURG PREMIERE

Fremdling

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Von Melanie Brandl. Als überdimensionale, aber buchstäblich platte Symbole stehen Pappbilder deutscher Spießigkeit auf der Bühne: Ein Gartenzwerg, eine merkwürdigerweise italienische Kaffeekanne, eine Ampel, eine Wasch- und eine Bohrmaschine begrenzen die Welt der „08/15-Eltern“ (David Benito Garcia und Simone Oswald), die auf „Besuch aus Tralien“ warten.

Ihren Sohn Piet haben sie ans andere Ende der Welt geschickt, damit er lernt, was er an ihnen hat.

Als der Austauschschüler Dave (Klaus Steinbacher) eintrifft, fällt ihnen nur auf: „Er ist nicht normal.“ Dave spricht nichts außer „Koi“, hat „Haut wie eine Handtasche“, frisst lebende Hühner und liegt am liebsten im Gartenteich. Kein Wunder, denn Dave ist – was trotz seines riesigen grünen Schädels nur das Baby (liebevoll mittels einer Puppe gespielt von Helene Schmitt) erkennt – ein Krokodil.

Klingt schräg? Ist es auch. Doch Regisseur Rüdiger Pape gelingt es bei der Uraufführung der Fabel von Martin Baltscheit tatsächlich, diese als bunt illustriertes Kinderbuch viel einfacher funktionierende Geschichte mit viel Augenzwinkern, passender Musik (Sebastian Herzfeld) und überzeugenden Darstellern plausibel auf die Bühne zu bringen. Die Verbohrtheit der völlig auf Integration gepolten Eltern („Integration heißt: Alle sollen gleich sein – deutsch“), die Spendenlust der überengagierten Nachbarin oder die Unfähigkeit der hilflosen, rückwärts sprechenden Lehrer nimmt den verkrampften Versuch, die Angst vor dem Fremden durch ein zwanghaftes Angleichen zu bekämpfen, böse aufs Korn.

Hier aber hätte die Inszenierung, die mit einem weißen, flexibel umbaubaren Ledersofa im Zentrum dank weniger Requisiten und bunter Kostüme herrlich lebendig bleibt (Bühne und Kostüme: Dietmar Teßmann) getrost enden können. Denn die plötzliche Ausweisung Daves als anerkannter Fremdling, seine Verfolgung durch einen Nachbarn, der ihn ausstopfen will, und der eingespielte Ausschnitt einer Doku über echte Krokodilmütter sind zum Verständnis des Themas nicht notwendig. Völlig überflüssig aber ist die Rückkehr des wirklichen Sohnes Piet (ebenfalls Klaus Steinbacher), der bisher nur in einer Art YouTube-Einblendungen zu sehen war. Sein Vortrag über unseren einzigartigen Planeten, von dem wir nur ein winziger Teil sind, kommt genauso daher wie die überdimensionalen Bilder der Spießigkeit: platt. Schade.

Nächste Vorstellungen

am 16.,17.4., 10 Uhr, 12.5., 18 Uhr; Karten: 089/ 23 33 71 55.

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