DAVID MERZ INSZENIERTE DEN „RING“ FÜR KINDER

Frech und frei

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von markus thiel. Eine heikle Sache, dieser Inzest.

Also am besten weglassen, und es reicht ja auch, wenn erklärt wird, dass „Siegmund der Sieglinde schöne Augen macht“. Wie es überhaupt reicht, einen „Ring des Nibelungen“ zu spielen ohne diese lästigen „Was bisher geschah“-Monologe, die selbst Hügel-Extremisten das Kinn auf die Brust sinken lassen. Zwei Stunden plus Pause statt 16 Stunden, so lang dauert die „Ring“-Version auf der Probebühne IV neben dem Bayreuther Festspielhaus. Zum zehnten Mal lockt hier die Kinderoper, eine großartige Erfindung der Chefin Katharina Wagner.

Wer dieses Spektakel regelmäßig besucht, registriert, wie freier, frecher, selbstironischer alles geworden ist und wie klug auch Gewalt thematisiert wird. Der fahrige, kautzige Jukka Rasilainen als Wotan, die mütterlich-vernünftige Simone Schröder als Fricka, das aufgekratzte Kindertheater-Naturtalent Vincent Wolfsteiner als Siegmund und Siegfried, Daniela Köhler als wuchtige Brünnhilde, dazu die Giga-Puppen-Riesen, das alles funktioniert wunderbar in der Regie von David Merz und mit Azis Sadikovic am Pult des Brandenburgischen Staatsorchesters.

Julius Theodor Semmelmann hat eine hölzerne Wunderkiste gebaut, die immer wieder neue Schauplätze freigibt. Ganz am Anfang dürfen die Mini-Wagnerianer in der ersten Reihe den Rhein mit Tüchern wallen lassen. Doch mit am meisten amüsieren sich die Gäste jenseits der 40. Überhaupt muss die Aufführungsgeschichte neu geschrieben werden: Nicht die „Meistersinger“ sind Wagners einzige Komödie, es ist der „Ring“.

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