Formschwäche

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Der Münchener Bach-Chor mit Gastdirigent Karl-Friedrich Beringer in der Philharmonie. Seit seiner Gründung durch Karl Richter ist der Münchener Bach-Chor weltweit für seine Bach-Interpretationen bekannt.

Unter Gastdirigent Karl-Friedrich Beringer, bis vor kurzem Leiter des Windsbacher Knabenchors, präsentierten sich die ambitionierten Laiensänger in der leider gerade einmal halb vollen Münchner Philharmonie bei Mozarts Requiem aber nicht in gewohnter Qualität: unsaubere Intonation in den Frauenstimmen und kaum herausgearbeitete Motivik ergaben einen Klangbrei statt filigraner Stimmführung und Dramatik. Das Zusammenspiel mit dem Orchester Symphony Prague wirkte wie unter Zeitdruck zusammengewürfelt. Daran konnten selbst die ausufernden und überdeutlichen Dirigiergesten Beringers nichts mehr ändern.

Und so zog sich das Requiem, einzig in den schnelleren Abschnitten und im fugierten Kyrie fielen die Defizite nicht so auf. Interessant besetzt war das Solistenquartett, allen voran die junge spanische Mezzosopranistin Lidia Vinyes Curtis. Mit voller, runder Tiefe und dem richtigen Maß an Persönlichkeit in der Stimme zeichnete sie ihre Solostellen ganz fein nuanciert. Der 1990 geborene Münchner Bariton Matthias Winckhler hat dieses Jahr nicht erst durch den Ersten Preis beim Mozart-Wettbewerb auf sich aufmerksam gemacht, seine strahlende, farbenreiche Höhe spricht für sich, in der tiefen Lage aber kam er gegen das vor ihm positionierte und laut spielende Orchester noch nicht an. Auch Thora Einarsdottir (Sopran) und Benjamin Glaubitz (Tenor) hatten mit der Akustik zu kämpfen.

Bei Franz Schuberts siebter Symphonie, der „Unvollendeten“, spielte das Orchester technisch zwar einwandfrei, und die Bläser intonierten stets sauber – wunderschön die Kantilene der Klarinette im Andante. Doch ohne große Differenzierung und interpretatorische Aussage wird man Schubert eben nicht gerecht. anita svach

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