Finale in Mittelerde

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Mit dem Film „Die Schlacht der fünf Heere“, der heute ins Kino kommt, beendet Peter Jackson seine „Hobbit“-Trilogie. von katrin hildebrand.

Peter Jackson zeigt Erbarmen. Mit seinem dritten und letzten „Hobbit“-Film, der heute in den Kinos startet, schenkt der Regisseur seinen Zuschauern 20 Minuten Lebenszeit. „Die Schlacht der fünf Heere“ ist die kürzeste Episode des zu einem Monumentalwerk aufgeblasenen Kinderbuchs von J. R. R. Tolkien (1892–1973). Und das zahlt sich aus. Denn ganz im Gegensatz zu Teil eins etwa, in dem Jackson sogar den Kampf zweier unwichtiger Steinriesen zu einem stinklangweiligen Pseudo-Showdown stilisierte, fehlen hier sämtliche Maßnahmen, künstlich Zeit zu schinden.

Die Handlung läuft in einem fort, fügt sich stimmig ineinander, und bis auf das übliche Pathos, das Zeit raubt, aber wohl zu jedem großen Filmepos gehört, geht für „Hobbit“-Verhältnisse alles ruck, zuck. So ruck, zuck sogar, dass eine der eindrucksvollsten Figuren des Dreiteilers ein bisschen abgewürgt erscheint.

Was Effekte und Animation betrifft, kann nämlich kein Ork und kein Steinriese (und schon gar kein Mensch) mit dem Drachen Smaug mithalten. Einen Kurzauftritt hat das elegante Monster noch – und dieser gehört zur optisch gelungensten Sequenz des Films. Smaugs Feuerangriff auf Esgaroth, eine Art mittelalterlich-englisches Venedig, ist ein Albtraum in Rot und Schwarz. Ölig schimmert das Wasser, grau sind die Gesichter der Menschen, während der Drachenkörper in der Luft kreist und die Stadt an allen Ecken und Enden explodiert – ein Kriegsszenario von irritierender Schönheit. Die 3D-Technik ist hier kein Schnickschnack, sondern aus der Situation geboren. Dagegen wirken andere Einstellungen platt. Zum Beispiel platziert Jackson immer wieder seine Figuren vor eine Art mittelerdisches Alpenglühen: Die Protagonisten stehen auf einer Hochebene, dahinter breitet sich ein Tal aus, über dem die Berge in der Sonne glänzen. Das mag im Kino Eindruck schinden. Handelte es sich jedoch um eine Postkarte, würde sie jeder Tourist im Ständer stecken lassen. Zu kitschig.

Doch zum Glück tobt in „Die Schlacht der fünf Heere“ alles auf das Finale zu. Wo Action lockt und Schwerter aufeinander krachen, lassen sich Schwulst und Sentimentalität besser ertragen oder auch verdrängen. In dieser Hinsicht genießt „Der Hobbit“ gegenüber „Der Herr der Ringe“ ohnehin Vorzüge, da mit den Zwergen und dem eher unfreiwillig hineingeratenen Bilbo (Martin Freeman) Figuren im Mittelpunkt stehen, die so gar nicht dem Bild des Superheroen entsprechen. Zwar darf Zwergenchef Thorin (Richard Armitage) in Teil drei noch eine Krise durchmachen. Bei einem melancholischen Kampfstier wie ihm allerdings mutet das weniger peinlich an als etwa beim opferbereiten Frodo. Zumal sich Thorin schließlich ein Stück weit bewusst von seinen Ahnen abgrenzt, deren Erbe er ja die ganze Zeit hinterherjagte.

Damit verkörpert er ein Prinzip, das in Jacksons Trilogie immer wieder anklingt. Wald-Elb Legolas (Orlando Bloom) distanziert sich von den politischen Ansichten seines Vaters. Seine Freundin Tauriel (Evangeline Lilly) verliebt sich – ganz gegen die Schicklichkeit ihres Volks – in einen Zwerg. Das mag ein bisschen bemüht rüberkommen, bringt Tolkiens stammeslastiges Œuvre aber immerhin auf einen modernen Weg. Da könnte man es den Drehbuchautoren fast verzeihen (aber eben nur fast), dass sie an anderer Stelle ärgerlichste patriarchale Verhältnisse geschaffen haben. Kleiner Hinweis: Die Menschen nerven leider am meisten.

„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“

mit Martin Freeman, Orlando Bloom, Ian McKellen, Richard Armitage Regie: Peter Jackson

Laufzeit: 144 Minuten

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