Filme – rätselhafter als im Kino

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Die vierteilige Videokunst-Ausstellung „Creating Realities“ startet in der Münchner Pinakothek der Moderne. von Johanna Popp.

Zwei Männer gehen am Strand von Elmenhorst spazieren. Der Jüngere hält seinen Begleiter mehrmals auf, doch auf seine fragenden Blicke bekommt er keine Antwort. Stattdessen nimmt der Ältere ein Gewehr, legt an und feuert aufs Meer hinaus.

Zwei Männer und eine Frau in einem Boot. Auch sie sprechen nicht miteinander, kommuniziert wird über Blicke und Gesten. Zum Schluss ist das Boot leer, die Frau weg – was ist geschehen?

Ein junges Paar sitzt sich im Restaurant gegenüber. Der Raum ist erfüllt von angeregtem Geplauder, alle scheinen gleichzeitig zu reden. Das Gespräch der beiden ist kaum zu verstehen, es geht im Lärm unter, sie weint, er raucht.

Es geht um Kommunikation in „A Question Of Silence“, dem ersten Teil der Ausstellung „Creating Realities“ in der Münchner Pinakothek der Moderne (PDM): stummes Verstehen, durch Taten ersetzte Worte, gescheiterte Diskussionen, gebannt in fünf Videoinstallationen verschiedener Künstler. 375 Arbeiten der Medienkunst hat die Sammlung Goetz dem Freistaat Bayern im vergangenen Jahr geschenkt, aus denen die Pinakothek, das Museum Brandhorst, das Kunstfilmfestival „Kino der Kunst“ und die Sammlung Goetz selbst diese Schau konzipiert haben. Erst nach und nach werden die vier Kapitel eröffnet: Das erste, „A Question Of Silence“, wird heute in der Pinakothek der Moderne aufgeschlagen.

Bernhart Schwenk, Referent für Gegenwartskunst, betont besonders im Hinblick auf diesen ersten Teil die Bedeutung Münchens als Stadt der Filmkunst. Auch die Künstler, die jetzt gezeigt werden, folgen dem klassischen Erzählstil des Kinos, wenn auch die Linearität unterbrochen wird durch die sprung- und rätselhafte Handlung oder die Darstellungsform: Warum sich die Matrosen mit ihrem leeren Boot in einem tristen Schwimmbecken wiederfinden bleibt offen, und der Streit des jungen Paars im Restaurant wurde aus drei Perspektiven gefilmt; man sieht die junge Frau im Porträt, das Restaurant in der Totalen und die nervösen Hände des Mannes in einer Nahaufnahme. Die Schnittstelle zur Bildenden Kunst kommt immer wieder in der Auswahl der Szenerie und der Bildsprache zum Ausdruck. So scheinen die Männer am Elmenhorster Strand beinahe in eine Landschaftsstudie versetzt, und in der titelgebenden Installation „A Question Of Silence“ wirkt die Schlussszene wie ein surrealistisches Gemälde samt versetzter Körperteile. Der Stummfilm „8“ wiederum besteht aus einer ungeschnittenen Kamerafahrt, die durch ein von regungslosen Gestalten bevölkertes Schloss führt wie durch ein Lebendes Bild.

„Creating Realities“ ist ab heute bis zum 31. Mai zu sehen, wird aber laufend erweitert. Das zweite Kapitel mit dem Titel „L’Ellipse“ (ebenfalls in der PDM) folgt am 10. März. Es beschäftigt sich – wie der Name suggeriert – mit der üblichen Methode des Films, mit Auslassungen zu arbeiten und Handlung nur fragmentarisch darzustellen. „L’Ellipse“ stellt unter anderem die Frage: Warum nicht einmal zeigen, wie sich eine Figur im Film von einem Schauplatz zum nächsten bewegt – eine Szene, die im ursprünglichen Spielfilm nicht vorkam?

Am 16. April vollenden dann die beiden letzten Kapitel die Schau: „Neighbour’s Yard“ in der PDM konzentriert sich auf eine jüngere Künstlergeneration, bei der auch Einflüsse des Internets und der sozialen Medien zum Vorschein kommen. Schließlich widmet sich das vierte Kapitel, „Grosse Fatigue“, im Museum Brandhorst, den Arbeiten der Französin Camille Henrot, die auf der Biennale 2013 mit dem Silbernen Löwen als beste Nachwuchskünstlerin geehrt wurde.

Bis 31. Mai,

ab heute in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40; ab 16.4. im Museum Brandhorst, Theresienstraße 35a; Di. Mi. Fr. 10–18, Do. 10–20; Tel.: 089/ 2380 5360.

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