Filet mit Medaillons

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Mariss Jansons dirigierte Dvořák und Mussorgsky im Herkulessaal. Kurz vor der Asientournee wird geklotzt, auch weil die klingenden Gastgeschenke letzte Verschönerungsarbeiten brauchen.

Dvořáks neunte Symphonie und Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ schmecken dabei im Münchner Herkulessaal schon mehr als nach Hit-Kopplung – eher nach Rinderfilet mit Schweinemedaillons.

Dabei ist das üppige Mahl alles andere als das Aufwärmen erprobter Kost. Im Falle Dvořák, weil Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks es tatsächlich schaffen, so etwas wie Uraufführungsatmosphäre zu zaubern. Und im Falle Mussorgski, weil das Gespann noch zwei, drei Konzerte brauchen dürfte, um den Verfeinerungszustand à la Dvořák zu erreichen.

Das kleine Wunder dieser ersten Konzerthälfte mit der Neunten: wie das Ensemble kein einziges Mal unter Kitschverdacht gerät. Wie nahezu perfekt kammermusikalisches Empfinden zu Klang wird. Wie Jansons den künstlerisch überhöhten Volksliedton der Symphonie hörbar werden lässt. Mit welch uneitlem, werkdienlichem Selbstbewusstsein Soli gespielt werden. Und wie das alles mit einer mehr als riskanten Agogik geschieht: Solche Flexibiliät, solch kleine Tempo- und Dynamikrückungen gerade im langsamen Satz dürften live kaum besser zu erleben sein.

Fast natürlich, dass Mussorgskis Galeriespaziergang dagegen abfällt. Weil nicht alles hundertprozentig eingerastet ist, vielleicht auch, weil Jansons mit schlanken Tempi und immer neuen Nuancen-Erfindungen dem Pathos misstraut und die dunklen Seiten etwas ausblendet. Der Erschütterungen zum Beispiel in der Ochsenkarren-Episode („Bydlo“) teilen sich nur ansatzweise mit, und das „Große Tor von Kiew“ wird weniger bewundert, eher sportlichen Schrittes durcheilt.

Was diese so kantable Interpretation allerdings adelt: Hier tönen die „Bilder einer Ausstellung“ so, als seien sie kein instrumentiertes Klavier-, sondern Vokalstück. Für den „Rest“ wird schon noch die zweieinhalbwöchige Tournee sorgen. markus Thiel

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