Die Faszination des Rattenfängers

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Fernsehfilm . Die ZDF-Produktion „Die Toten von Hameln“ interpretiert die bekannte mittelalterliche Sage neu .

Von Ulrike Cordes

Mit der geheimnisvollen deutschen Sage vom „Rattenfänger von Hameln“ haben sich nicht nur in der Vergangenheit die Märchensamler Jacob und Wilhelm Grimm oder auch Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe befasst – sie fasziniert Jung und Alt bis zum heutigen Tag. Rund eine Milliarde Menschen weltweit sollen sie angeblich kennen. Sogar in Ländern wie den USA und Japan ist die Geschichte vom Flötenspieler, der im Sommer 1284 mehr als 100 Kinder ins Verderben geführt haben soll, Schulstoff. Auch Hameln selbst wirbt für sich mit dem Attribut „Rattenfängerstadt“.

Die aus dem nahen Hannover stammenden Schwestern Annette und Christiane Hess beschäftigen sich seit langem mit der Thematik. Gemeinsam schrieben die renommierte Drehbuchautorin („Weissensee“) und die Theatermacherin das Skript zum Mysterythriller „Die Toten von Hameln“, der als „Fernsehfilm der Woche“ heute um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen ist. In einer Mischung aus Psychothriller und Familiendrama, in der sich Fiktion und historische Fakten mischen, gelang den Hess-Schwestern dabei eine Interpretation der Sage, die zunächst ziemlich konstruiert wirkt, den Zuschauer jedoch mehr und mehr in ihren Bann zieht. Erstklassige Schauspieler, Regisseur Christian von Castelberg, der als Meister des Spannungsaufbaus gilt, und nicht zuletzt Kamerafrau Eeva Fleig mit ihren stimmungsvollen Aufnahmen von nebligen Wäldern und fachwerkstädtischer Enge sorgen für soliden Grusel.

Im Mittelpunkt des Films steht die Chorleiterin Johanna Bischoff, gespielt von der vielseitigen Julia Koschitz („Shoppen“, „München 7“, „Tödliche Versuchung“), die mit ihrer Mädchentruppe samt neuem Organisten für ein Kirchenkonzert in ihre Heimatstadt Hameln reist. Schon länger plagen die psychisch labile junge Frau, deren Vater (Matthias Habich) einst Bürgermeister der Stadt war, quälende Alpträume, in denen stets ein blutüberströmter Mann eine Rolle spielt.

In Hameln angekommen, verschwinden bei einer Wanderung im Bergwald plötzlich vier Mädchen und der Organist in einer Höhle. Hilfesuchend wendet sich Johanna an ihren Ex-Freund Jan Faber (Bjarne Mädel), Leiter der örtlichen Polizeiinspektion. Während fieberhaft nach den vermissten Kindern gesucht wird, begreift Johanna, dass das mysteriöse Geschehen eng mit der Geschichte ihrer eigenen Familie verbunden ist.

„Die Figur des begnadeten Verführers, der Einzelne, eine ganze Stadt oder gar die Menschen insgesamt ins Verderben führt, ist eine zeitlos bedrohliche Erscheinung“, sagt dazu Co-Autorin Christine Hess, die seit vielen Jahren mit einer selbst konzipierten Theaterversion der „Rattenfänger“-Sage unterwegs ist: „Auch in unserem Drehbuch erzählen wir nicht nur von dem einen ,Rattenfänger‘.“

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare