GEORG RINGSGWANDL IN DEN MÜNCHNER KAMMERSPIELEN

Fast schon magisch

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Georg Ringsgwandl präsentierte seine neue Platte „Woanders“. foto: Henner Fotista

von zoran gojic. Eine hübsche Idee von Georg Ringsgwandl, seine neue Platte „Woanders“ in den Münchner Kammerspielen vorzustellen.

Die im Wohnzimmer akustisch aufgenommenen Stücke passen gut in den vergleichsweise intimen Rahmen des Theaters, und der zweite Weihnachtstag als Konzerttermin ist perfekt, findet der promovierte Mediziner: „Da hat man eine Ausrede, um nicht zur Verwandtschaft zu müssen.“

Die exzellente dreiköpfige Band („Quotenjugendliche“), verstärkt durch Ringsgwandl-Veteran Nick Woodland, spielt präzise, unaufgeregt und inspiriert. Der Chef kann sich völlig auf seinen Gesang und seine launigen Moderationen konzentrieren, die an sich schon das Ticket wert wären. Seit Jahrzehnten schon falle ihm nichts ein, flunkert er. Man schreibe halt mit, was um einen herum so gesprochen wird.

Das ist wahrscheinlich nah dran an der Wahrheit. Die Befindlichkeiten von Wohlstands-Hysterikern mit hochbegabten, also schwer gestörten Kindern und dem Gefühl, ständig etwas zu verpassen, kann niemand so schön erfinden, wie Ringsgwandl sie vorträgt. Er selbst habe von seinem Psychotherapeuten bestätigt bekommen, dass der Grattler seine „Primärpersönlichkeit“ sei. Im Großen und Ganzen sei es doch ganz gut gelaufen für ihn, lässt uns Ringsgwandl beiläufig wissen, ansonsten sehe er sich als „internationales Projekt aus Murnau“. Deswegen moderiert er zwischendrin mal sarkastisch in pseudo-lässigem Bühnenenglisch, um sich dem Flair der Umgebung anzupassen, wie er hinterhältig sagt.

Mit den verschroben philosophischen Liedtexten und den berückend schönen Melodien fügt sich das zu einem beinahe schon magischen Abend. Ringsgwandl war noch nie so gut, noch nie so sehr bei sich und dabei handwerklich so versiert wie derzeit. Da hat sich die Therapie womöglich gelohnt, vielleicht aber auch Jahrzehnte der beharrlichen Arbeit und eine angeborene Menschenkenntnis.

Als es ein bisschen Gemoser gibt wegen eines Videoteams auf der Bühne, löst Ringsgwandl das nonchalant und macht sich ansonsten sehr fein über die Theaterwelt mit ihren Ritualen lustig. „Es gibt da halt viele Impulse, die so hin und her gehen zwischen Bühne und Publikum“. Ringsgwandl hält in Wahrheit nichts davon, sondern setzt ganz klassisch auf Frontalunterhaltung. Zum Glück für uns.

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