ZWEITER BERICHT ZUR LAGE DER DEUTSCHEN SPRACHE WURDE VORGESTELLT

Fast alle verstehen Dialekt

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Nils Uwe Bahlo,Germanist an der Universität Münster und Mitautor der Studie.

Fast alle Deutschen verstehen noch den Dialekt ihrer Heimatregion.

Das ist ein Ergebnis des zweiten Berichtes zur Lage der deutschen Sprache, den die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Der Bericht trägt den Titel „Vielfalt und Einheit der deutschen Sprache“. Thema des ersten Berichtes 2013 waren Reichtum und Armut der Sprache. Das Interesse an der deutschen Sprache sei in der Gesellschaft sehr groß, sagte der Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Wolfgang Klein. Der Bericht soll die Ergebnisse der Forschung zugänglicher machen. Er widmet sich neben einem Überblick über Sprachvielfalt unter anderem auch dem Deutsch von Migranten und der Kommunikation im Internet.

Das Deutsche ist nach Angaben der Akademien eine der bedeutendsten Kultursprachen der Welt. Wie alle Sprachen verändere es sich ständig. Dieser Wandel zeige sich unter anderem in einer zunehmenden Differenzierung in einzelne Spielarten – je nachdem, mit wem man wann und wo zu welchem Thema und in welchem Medium kommuniziere. So sei die deutsche Sprache nicht nur ein in Grammatiken und Wörterbüchern definiertes Sprachsystem, vielmehr sei sie ein komplexes Bündel sich vielfach überschneidender Sprachformen.

Der Münsteraner Germanist und Mitautor der Studie, Nils Uwe Bahlo (Foto: Bahlo/ Uni Münster), erklärte dazu, der deutschen Sprache gehe es „so gut wie eh und je“. Wachsende Zuwanderung und Onlinekommunikation führten nicht zu einer Verflachung. „Wir haben einen riesigen Wortschatz, der durch andere Sprachen erweitert und aufgewertet wird.“ Es gehe nicht „um richtig oder falsch“, sondern um die Frage, ob die Ausdrucksweise jeweils situationsangemessen sei, so der Experte. Das gelte vor allem für den Schulunterricht. Was viele Bürger als „Verrohung der Sprache“ empfänden, sei nur eine altersspezifische Verformung der Alltagssprache durch den Nachwuchs, sagte Bahlo. Eine „Jugendsprache“ habe es zu jeder Zeit gegeben. „Man entdeckt im Vergleich der Jahrhunderte übrigens bemerkenswerte Parallelen der Jugendkulturen“, so der Sprachwissenschaftler.

Besonderheiten in der Aussprache wie etwa „isch“ statt „ich“, das Weglassen von Präpositionen wie in „Gehen wir Freizeitpark?“ oder bekräftigende Routineformeln wie „ich schwöre“ seien eigentlich „typisch deutsch“ und keineswegs neu. „Es sind verschiedene Spielarten der deutschen Sprache“, erläuterte der Germanist.  kna

Publikation:

„Vielfalt und Einheit der deutschen Sprache – Zweiter Bericht zur Lage der deutschen Sprache“. Hrsg. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, Stauffenburg Verlag, Tübingen, 331 Seiten; 29,95 Euro.

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