FRITZ KARL VERKÖRPERT IN DER SERIE „FALK“ EINEN UNKONVENTIONELLEN ANWALT, DER BRILLANT IST, OBWOHL ER SEINEN BERUF HASST

Ein Fall für einen

Von Jonas-Erik Schmidt. Ein Anwalt, der Gerichtssäle hasst, ist eigentlich kein guter Anwalt.

Im Fall des Juristen Falk, der heute um 20.15 Uhr erstmals in der neuen und nach ihm benannten ARD-Serie „Falk“ zu sehen ist, kann man die Abneigung aber allein schon aus modischen Gesichtspunkten verstehen – die Roben sind schuld. Der Düsseldorfer Anwalt neigt nämlich zu dandyhafter Extravaganz. Gerne trägt er großkarierte Westen, Samtsakkos und geblümte Krawatten. Vor Gericht bleibt davon aber rein gar nichts übrig, weil alles unter der „Uniform“ verschwindet. Kein Wunder, dass Falk – ein Vorname wird nicht genannt – Fluchtreflexe entwickelt.

Der Kleidungsstil der Hauptfigur ist das Erste, das an der neuen Serie ins Auge springt, von der die ARD sechs Folgen auf ihrem Seriensendeplatz am Dienstag zeigt. Falk, gespielt von Fritz Karl (50), fällt optisch auf. Eigentlich passt er besser zu einem Reitturnier der englischen Upperclass als in ein deutsches Amtsgericht. Auffallen muss Falk allerdings auch, denn Anwaltsserien gibt es viele. Erst jüngst schickte etwa der Privatsender RTL „Beck is back“ ins Rennen.

Es ist daher nicht nur die Optik, die „Falk“ von der Konkurrenz abheben soll. Vor allem ist es auch die Idee, von einem Anwalt zu erzählen, der seinen Job am liebsten an den Nagel hängen will, weil er ihn hasst. Das hat Falk auch schon getan und sich seinen Traum erfüllt, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Er liebt gute Weine und exquisites Essen. Blöderweise ist das Lokal pleitegegangen. Um es zurückzubekommen, muss der Jurist notgedrungen wieder in der renommierten Düsseldorfer Kanzlei „Offergeld & Partner“ anfangen.

Und auch wenn er nicht gerne im Paragrafendschungel unterwegs ist, sein Handwerk versteht der Mann. Als Anwalt gilt Falk als ebenso brillant wie unberechenbar. Wenn es um ihn selbst geht, muss er passen – die Psyche anderer kann der verhinderte Gastronom aber filetieren wie einen Lammrücken. In der Kanzlei ist er der Experte für ganz spezielle Mandanten – etwa für einen Ministerpräsidenten, der ausgefallene Dessous unter seinen Anzügen trägt und damit in die Bredouille geraten ist. Seine Fälle löst Falk am liebsten nicht im Gericht. Er hat andere Methoden.

Hauptdarsteller Fritz Karl sagt, dass er zur Entwicklung der Figur viel beitragen konnte. „Einen normalen Anwalt zu spielen – das hätte mich wenig interessiert“, so der Österreicher, der einst durch die Filme „Jennerwein“ und vor allem „Wer früher stirbt, ist länger tot“ einem großen Publikum bekannt wurde. Wichtig sei ihm gewesen, dass der Humor – „Falk“ ist im Kern eine komödiantische Serie – etwas Spleeniges habe müsse: „Zudem wollte ich immer einen Dandy spielen.“

Sucht man nach Vergleichen, landet man wohl irgendwo zwischen dem ebenfalls ausgesprochen adrett gekleideten Professor Karl-Friedrich Boerne aus dem Münsteraner „Tatort“, dem überheblichen Mediziner „Dr. House“ und dem neurotischen Ermittler „Monk“. Dass „Falk“ dennoch einen eigenen Ton findet, liegt vor allem an Hauptdarsteller Karl, der seine Figur mit sichtlichem Genuss spielt und sie weder zu einer Witzfigur macht noch zu einem Kotzbrocken, kurz – tauglich für die beste Sendezeit.

Flankiert wird Karl von Mira Bartuschek („Fuchs und Gans“), die als junge Kanzleichefin mit der Art ihres unfreiwilligen Spitzenjuristen hadert. Ihren Vater, den Seniorchef, spielt Peter Prager. Als Kollege ist Moritz Führmann zu sehen, den man auch als Theaterschauspieler kennt – unter anderem aus Düsseldorf. Dort, wo „Falk“ zwischen Küche und Kanzlei gefangen ist.

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