NACHTKRITIK: „AUS EINEM TOTENHAUS“ IN MÜNCHEN

Was zu erwarten war

Alles da. Die Video-Sequenzen für Schlüssellochblicke hinter die Bühne und zur Kommentierung des Hauptgeschehens.

Die Blut-Schweiß-Dreck-Ästhetik. Die Verweise auf Sowjetisches, in diesem Fall auch Zaristisches. Wer Regie-Legende Frank Castorf holt wie nun die Bayerische Staatsoper zum ersten Mal, bekommt, was alle Theaterwelt erwartet – inklusive der grandiosen Multifunktionsszenerien seines Hofbühnenbildners Aleksandar Denić.

Janáčeks Einakter „Aus einem Totenhaus“ liegt Castorf, dem Dostojewski-Jünger, sehr nahe, wie gestern bei der Premiere im Nationaltheater zu sehen war. Und doch bleibt bei all dem Realismus, der kaum gebrochen wird, ein Schulterzucken. Fokussierung war noch nie Castorfs Sache. Und wenn er es tut, in den drei großen Erzählungen der Häftlinge, wird es altertümlich und opernhaft – was Sänger wie Charles Workman und Bo Skovhus für starke Auftritte nutzen. Dirigentin Simone Young betont in der ohnehin zerrissenen Partitur das Expressive, Schonungslose (morgen mehr, Video-Kritik im Internet unter www.facebook.com/KulturMuenchnerMerkur).  th

Kommentare