Erfolgreicher Pausenfüller

Kleinstadtfamilie mit großer Fangemeinde: Maggie, Marge, Lisa, Homer und Bart Simpson (v. l.). Foto: Fox
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Kleinstadtfamilie mit großer Fangemeinde: Maggie, Marge, Lisa, Homer und Bart Simpson (v. l.). Foto: Fox

Jubiläum . „Die Simpson“ laufen seit 25 Jahren und sind damit die langlebigste Serie der amerikanischen Fernsehgeschichte.

Von Chris Melzer

Sie haben Häuser in die Luft gesprengt, einen ehemaligen amerikanischen Präsidenten verprügelt und auch Kontakt mit Außerirdischen gehabt – „Die Simpsons“. Bei ihrem Start in den USA am 17. Dezember 1989, heute vor genau 25 Jahren, wurde die gelbe Zeichentrickfilmfamilie von vielen als Kinderfernsehen abgetan. Inzwischen ist die kultige Produktion die langlebigste Hauptabendserie der amerikanischen Fernsehgeschichte und eines der erfolgreichsten Formate der Welt.

Dabei waren „Die Simpsons“ ursprünglich nur als Pausenfüller für die „Tracey Ullman Show“ auf dem Sender Fox gedacht. Die Show an sich wurde schnell abgesetzt, die lustigen Trickfilme aber überlebten. Heute bezweifeln viele, dass Fox ohne die „Simpsons“ überhaupt seine ersten Jahre überstanden hätte. Die Serie brachte Geld und Renommee und verkaufte sich weltweit. Ab 1991 verbreitete die „Simpsons“-Truppe ihr Chaos beim ZDF, ab 1994 dann auf Pro Sieben.

Dabei waren die Kritiker anfangs nicht angetan vom naiv-trotteligen Vater Homer, der übervorsichtigen Mutter Marge, dem viel zu frechen Sohn Bart, der besserwisserische Tochter Lisa und dem Nesthäkchen Maggie, das seit 25 Jahren in die Windeln macht und weder Laufen noch Sprechen lernt (außer dem Wort „Daddy“, gesprochen von niemand Geringerem als Filmdiva Elizabeth Taylor). Religiösen Menschen war die Serie zu blasphemisch, Frauenverbänden zu spießig, Islamisten zu westlich, Russen zu amerikanisch. Und überhaupt – Zeichentrick für Erwachsene?

Doch die „Simpsons“ waren perfekt zu vermarkten. Nicht nur, dass sie im amerikanischen wie im deutschen Fernsehen in Dauerschleife laufen. Man kann sich sein Haus auch komplett mit „Simpsons“-Produkten einrichten. Oder sogar ihr Haus nachbauen.

Dreh- und Angelpunkt bleibt Springfield, die Heimatstadt der Familie. In welchem US-Bundesstaat liegt das eigentlich? Das hat Schöpfer Matt Groening bewusst offen gelassen. Ansonsten hat er sich an der eigenen Biografie bedient. Die Vornamen der Simpsons sind der Familie Groenings entlehnt, auch viele Randfiguren gab es im wirklichen Leben des heute 60-Jährigen. Der Mikrokosmos der Figuren, in dem man für jede Berufsgruppe, jeden Menschentypus, jede Eigenart einen Vertreter findet, ist eine der Stärken der „Simpsons“.

Auch die Gastrollen machten die Serie zum Hit. Selbst Stars reißen sich darum, einmal eine der Trickfiguren zu sprechen. Oft stellen sie sich dabei selbst dar. Drei der vier Beatles waren dabei, Michael Jackson, Physiker Stephen Hawking, Regisseur Werner Herzog und mit Tony Blair sogar ein echter Premierminister. Das stelle man sich einmal bei Angela Merkel vor.

Dabei gab es genug Ärger. Fox verlängerte den Vertrag nach der 23. Staffel nur, als die Hauptsprecher einer drastischen Kürzung ihrer Gagen zustimmten – die mit gut 200 000 Euro je Folge immer noch stattlich sind. Nun ist Staffel 26 unter Dach und Fach. Zwar sinken die Einschaltquoten, und von den 13,4 Millionen Fernsehhausehalten, die in der ersten Staffel in den USA zuschauten, ist nur noch gut die Hälfte übrig. Diese Zahlen sind aber stabil – und für die meisten Serien ein unerreichbarer Traum. Bei Pro Sieben hat das Format ebenfalls eine treue Fangemeinde. Dort schalten regelmäßig 1,5 Millionen bis zwei Millionen Zuschauer am Montagabend die Erstausstrahlungen ein.

Schon vor fünf Jahren hatten die „Simpsons“ den Rekordhalter (es war die Westernserie „Rauchende Colts“) überholt und sind seitdem die langlebigste Serie im Abendprogramm. Wer heute 30 ist, kennt ein Leben ohne die gelben Figuren faktisch gar nicht. Die 31 Emmys sind die Spitze eines Trophäenberges und nicht nur, dass die Hauptdarsteller jeweils eine Briefmarke der amerikanischen Post bekamen – Mutter Marge zog sich vor fünf Jahren sogar für das Männermagazin „Playboy“ aus.

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