Entfesselte Reise

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Der Südstaatler Marc Broussard spielte im Backstage. Auf Marc Broussards aktueller Platte gibt es ein Lied, das aus dem Rahmen fällt: Während sich der Songwriter aus Louisiana auf „A Life Worth Living“ sonst von seiner gefühlsbetonten, ruhigen Seite zeigt, lässt er es bei „Dyin’ Man“ in bester Soulrock-Manier krachen.

Einen Hinweis darauf, dass dieses Lied eher an das wahre musikalische Ich einer der wichtigsten Stimmen aus den Südstaaten rührt, gab’s im März. Da war der bärtige 33-Jährige solo im Vorprogramm von JJ Grey & Mofro zu erleben. Dabei sorgte er für den großartigsten Rock-Moment im bisherigen Münchner Konzertjahr.

Entsprechend anzunehmen, dass sich JJ Greys Publikum auch bei Broussards eigenem München-Besuch einfinden würde. Weit gefehlt: Gerade mal 50 Leute standen im Halbkreis vor der Backstage-Club-Bühne – damit war nicht zu rechnen. Broussard erwies sich als Vollprofi. Er ließ sich nichts anmerken und machte von Anfang an klar, wohin die Reise geht: nämlich dorthin, wo es so groovt, dass die Seele jubelt.

Gleich zu Beginn entfesselte seine höchst fähige Band ein heißes Gebräu aus trockenem Rock und saftigem Soul. Offensichtlich nicht gewillt, weniger als Vollgas zu geben, sang und schrie sich Broussard die Seele aus der Kehle. Nach einer lustvollen ersten Coverversion („Hey Joe“) gab es bald die aktuelle Single „Hurricane Heart“, die gut ins amerikanische Radio passen dürfte, und im Verlauf eines sehr abwechslungsreichen Abends unter anderem ein fantastisches Cover des „Tower of Power“-Klassikers „Don’t Change Horses“ sowie einen Querschnitt aus Broussards eigenem, preisgekrönten Schaffen. Unangefochtener Höhepunkt des Abends: „Lonely Night in Georgia“, die mit Dynamik aufgeladene Vereinigung beider schöpferischer Stärken Broussards: der gefühlsbetonten und der rockenden. Christoph Ulrich

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