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Das Ende der Mittelwelle

Hörfunk . Zum Jahreswechsel schaltet mit dem Deutschlandfunk der letzte Sender diesen Frequenzbereich ab – Auch UKW droht in einigen Jahren das Aus.

Von Christof Bock

Gruuu-piii-iiooo-wiuuu. Erkannt? Das Pfeifen und Singen der Mittelwelle (MW) gehört zu den Geräuschen aus dem 20. Jahrhundert, die vor dem Aussterben stehen. Ein Geräusch wie das Rattern einer Wählscheibe oder das Einspannen von Papier in eine Schreibmaschine. Am Silvestertag zieht sich mit dem Deutschlandfunk das letzte deutsche öffentlich-rechtliche Radio aus der Mittelwelle zurück.

„Es ist keine Übertreibung, zu konstatieren, dass damit ein Stück deutscher Radiogeschichte endet“, so Deutschlandfunk-Redakteur Marcus Heumann. Alle ARD-Radios haben MW bereits abgeschaltet. Sie folgen einer Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF). Denn nur wenn das Alte weicht, darf das Neue kommen. Die KEF hat den Rundfunkanstalten die finanziellen Mittel für das neue Digitalradio genehmigt, dafür aber das Ende der Mittelwelle verlangt. Die Ersparnis ist enorm. Der Bayerische Rundfunk (BR) beispielsweise muss dadurch pro Jahr rund 300 000 Euro weniger Stromkosten zahlen. Beromünster, Hilversum, Rias, Rennes, Rabat – die ollen Radios mit solchen exotischen Städte- und Sendernamen auf der Skala stehen weitgehend unbeachtet immer noch in vielen guten Stuben und WG-Küchen herum.

Beim Finale der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1954 hatten noch Millionen Menschen über Mittelwelle gehört, wie Herbert Zimmermann ins Mikro schrie: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!“ Immerhin gehörten Fußballspiele auch zuletzt noch – ebenso wie etwa Bundestagsdebatten – zu den Ereignissen außerhalb des üblichen Programmschemas, die über MW in voller Länge ausgestrahlt wurden.

Die Mittelwelle (MW) deckt im Hörfunk den Frequenzbereich ungefähr zwischen 530 und 1600 Kilohertz ab. Beim Aufbau des Radios in Deutschland spielte sie eine große Rolle. Seit der Nachkriegszeit verdrängte die Ultrakurzwelle (UKW) diese Technik immer mehr. Trotz knarzigen Empfangs wurde die MW aber noch jahrzehntelang von vielen Hörern wegen ihrer großen Reichweite geschätzt, nicht nur unter Seglern. Selbst mit mittelmäßigen Radios hatte man sogar im Keller recht guten Empfang, auch wenn er alles andere als glasklar war. Das Signal ging über Hunderte Kilometer. Das ist jetzt Vergangenheit.

Und das Schicksal der Mittelwelle könnte schon in wenigen Jahren auch der beliebten Ultrakurzwelle drohen. Denn auch UKW wird seit langem hinterfragt. Ursprünglich sollten bis 2010 alle Radios ihren Sendebetrieb auf das digitale DAB umgestellt haben. Nach massiven Widerständen hatte der Gesetzgeber einen festen Termin gestrichen. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul zählt zu den aktivsten Vorkämpfern für das Digitalradio. In einem Interview seiner Sendergruppe schildert er: „DAB hat den großen Vorteil, dass es ein viel störungsfreierer Empfang ist, dass er leichter zu händeln ist, eine CD-ähnliche Klangqualität, und man kann mit dieser Technologie Zusatzinformationen übermitteln.“ Das ist jetzt die Zukunft.

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