METROPOL-CHEF SCHÖLCH INSZENIERTE „DER GUTE TOD“ WIE SCHWERELOS

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Sterbehilfe: Butz Buse (2.v.re.) als Bernhard mit (v.li.) Sophie Rogall, Sebastian Griegel, Lilly Forgách, Nikolaus Frei. F: Turmes

Von Malve Gradinger. Ein leerer Raum: nüchtern, aber nicht unfreundlich; das Parkett hell, breit das Verandafenster, dessen senkrechte Jalousie-Lamellen von der Außenwelt nichts mehr hereinlassen.

Hier sind fünf Personen versammelt, um Bernhard an seinem letzten Lebenstag zu begleiten. Der an Lungenkrebs Leidende hat sich zur Sterbehilfe entschlossen. Wannie de Wijns „Der gute Tod“ von 2008, schon an anderen Theatern hierzulande inszeniert, ist nun im Münchner Metropoltheater zu sehen. Man sitzt ganz still, fast atemlos, zutiefst verwundert, wie schwerelos Hausherr Jochen Schölch uns dieses existenziell gewichtige Thema nahebringt. Eine Hilfe vorab hatte er. De Wijn konnte juristische und ethische Fragen hinter sich lassen. Die Niederländer haben seit 2001 ein Sterbehilfegesetz.

Nun erleben wir in Thomas Flachs stimmigem „Vorsterbezimmer“, wie diese fünf Menschen, die wir selbst sein könnten, in Unverständnis-Panik geraten, mit Worten gegen die Wand rennen, aus der inneren Spannung heraus alte ungute Gefühle hochkommen lassen und schmerzverdrängend schrill Party feiern: Bernhards Lebensgefährtin, seine Tochter, sein Bruder Michael, ein harter Geschäftsmann, sein jüngster Bruder Ruben, ein Autist, und Robert, Bernhards bester Freund und Arzt. Rollen, die nicht besser besetzt sein könnten als mit Lilly Forgách, Sophie Rogall, Christoph von Friedl, Sebastian Griegel und Nikolaus Frei.

Man meint zu spüren, wie Schölch mit seinen Schauspielern vor allem auf eine authentische innere Haltung hingearbeitet hat – sie wirken alle echt. Nach Streitigkeiten, Verdächtigungen, Vorwürfen und Zweifeln an diesem selbstbestimmten Lebensende wächst zwischen ihnen langsam eine friedvolle Harmonie. Es ist letztlich ihre Erkenntnis, dass es auf die Fragen zum Tod und Sterben nie eine Antwort geben wird – und dass dieser Abschied Bernhards eigener Wille war. Butz Buse spielt diesen Todkranken so wirklichkeitsnah körperlich fragil, auch wunderbar gelassen, sodass der Austritt aus diesem Leben versöhnlich erscheint. Die Frage, ob man selbst einmal diesen Schritt des „guten Todes“ gehen will, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Aber dieser Abend, der ohne Larmoyanz auskommt, der Schölchs hohe Kunst beweist, das Verstreichen der Zeit lautlos und heilsam zu inszenieren, ist ein einmaliger Abend zum Nachdenken.

Nächste Vorstellungen

dieses Wochenende, 3., 4., 7.2.; 089/ 32 19 55 33.

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