„Emanzipation geht nur miteinander“

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Iris Berben spielt Elisabeth Selbert, eine von nur vier Frauen, die 1948/1949 am Grundgesetz der BRD mitwirkten. Von Klaus Braeuer.

Elisabeth Selbert (1896 bis 1986) ist damals 52 und die Frau der Stunde, als die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 geboren wird. Als Juristin, Mitglied der SPD und des Parlamentarischen Rates in Bonn kämpft sie innerhalb nur eines halben Jahres um Paragraf 3, Absatz 2 des Grundgesetzes, in dem heute steht: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dabei muss sie nicht nur gegen die Mehrheit der 61 Männer und deren zumeist sehr konservative Vorstellungen ankämpfen, sondern auch die drei anderen Frauen im Rat auf ihre Seite bringen – was alles andere als einfach ist.

Iris Berben (63) spielt im Fernsehfilm „Sternstunde ihres Lebens“ (ARD, heute, um 20.15 Uhr) die Figur der Elisabeth Selbert als engagierte, selbstbewusste Frau im mausgrauen Kostüm, die stets die Contenance wahrt, deren Nerven dennoch mehrfach zum Zerreißen gespannt gewesen sein mussten. Sie weiß ihren arbeitslosen, kranken Mann Adam (Rudolf Kowalski) hinter sich, der sich in Kassel um die beiden Söhne und den Haushalt kümmert und ihr den Rücken freihält – für damalige Verhältnisse eine sehr ungewöhnliche Arbeitsteilung.

„Das stimmt“, sagt Berben im Gespräch: „Nicht nur sie, auch ihr Mann war sehr modern, ohne ihn ging das alles gar nicht, er hat ihr alles das ermöglicht, wofür sie gekämpft hat. Emanzipation geht ja immer nur miteinander, nicht gegeneinander. Kluge Männer müssen wir auf unsere Seite ziehen, das habe ich schon in den Siebzigern so gesehen. Die Männer schlechthin gibt es für mich sowieso nicht.“

Dieser Film ist der Schauspielerin ein persönliches Anliegen. „Wenn wir alle uns an die Grundrechte im Grundgesetz halten würden, dann hätten wir weniger Probleme in unserer Gesellschaft. Wir müssten nur sorgfältiger damit umgehen. Das hat ja alles nicht aufgehört, der Kampf um Gleichberechtigung geht ja weiter, da müssen doch alle Alarmglocken läuten“, sagt sie.

Regisseurin Erica von Moeller ist es gelungen, aus einem scheinbar staubtrockenen Thema einen ebenso bewegenden wie spannenden Film zu machen. Großen Anteil daran hat auch die Figur der Irma Lankwitz (großartig: Anna Maria Mühe), die als Selberts Sekretärin angestellt wird und zunächst den völlig gegensätzlichen Typus der kokett-schüchternen, naiven Frau verkörpert, die sich unglücklich in den verheirateten Abgeordneten Heinrich Bode (Max von Thun) verliebt. Bis sie einsieht, dass es sich doch lohnt, gemeinsam für die Rechte der Frauen einzustehen.

Im Abspann des Filmes erfährt man, dass es bis zum Jahre 1977 (!) gedauert hat, bis eine Frau ohne die Einwilligung ihres Mannes einem Beruf nachgehen durfte und dass Frauen bis heute im Schnitt weniger verdienen als Männer. Auch im Anschluss an den Fernsehfilm, im Magazin „Plusminus extra“ um 21.45 Uhr, geht es um das Thema Gleichberechtigung.

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